Michael Hartmann

Der Mythos von den Leistungseliten

Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft
Cover: Der Mythos von den Leistungseliten
Campus Verlag, Frankfurt am Main/ New York 2002
ISBN 9783593371511
Kartoniert, 208 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Geschlossene Gesellschaft! - Für Spitzenkarrieren in Deutschland ist die soziale Herkunft ausschlaggebend, nicht die individuelle Leistung. Die hier untersuchten Berufsverläufe von Ingenieuren, Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern zeigen, dass die Promotion noch lange nicht den Weg zu Top-Positionen in der Wirtschaft ebnet. Die größten Chancen haben Promovierte, die aus dem gehobenen oder dem Großbürgertum stammen. Die soziale Öffnung des deutschen Bildungswesens hat bislang nicht zur sozialen Öffnung der Eliten geführt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2002

Ulrich Brieler lässt sich zu einer richtigen Lobpreisung dieser Arbeit des Soziologen Michael Hartmann hinreißen. Für ihn ist das Buch "Soziologie als Aufklärung, ein Lichtblick" - und das in einer Zeit, in der er schon den Glauben an diese Wissenschaftsdisziplin verloren hatte, weil sie ihm zunehmend als "Marktforschung nach Auftrag" erscheint. Hartmann untersucht in seinem Buch, inwiefern sich der soziale Background von Menschen in den sogenannten Leistungseliten auf ihren beruflichen Aufstieg auswirkt. Dabei kommt er zu ziemlich pessimistisch stimmenden Ergebnissen. Brieler formuliert in seiner Rezension prägnant: "Die Elite kapselt sich zunehmend ein", und "die vermehrten Bildungschancen haben die sozialen Schranken der bürgerlichen Gesellschaft nicht durchlässiger gemacht". Dabei ist der Grad der sozialen Durchlässigkeit in der Wirtschaft geringer als in Justiz, Wissenschaft und Politik. Selbst die "Demokratisierungsgewinne" in diesen Bereichen werden durch "die Dominanz der Wirtschaftselite" wieder relativiert, so fasst Brieler die Thesen von Hartmann zusammen. Und schließt bitter mit dem Verweis darauf, dass "Elitenproduktion kein Selbstläufer ist", sondern ein Produkt von politischen Auseinandersetzungen: "In der alten Bundesrepublik schämte man sich für die neuen Klassenschranken, in der neuen festigt man sie".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002

"Man bewegt sich in den oberen Etagen einfach 'trittsicherer', wenn man das Gelände seit Kindesbeinen kennt," zitiert Elisabeth Niejahr aus dem von ihr besprochenen Buch. Darin sei zusammengefasst, was Michael Hartmann in seinen "Untersuchungen über Karrieremuster in der Wirtschaft" seit 1955 herausgefunden hat. Keinesfalls nämlich seien "die Aufstiegschancen für Kinder aus Kleinverdienerhaushalten" gestiegen. Immer noch entscheidet der "Stallgeruch", ob jemand einen Job ganz oben bekommt, und da, so Niejahr, zählt das "Großbürgertum". Etwas erstaunt stellt die Rezensentin fest, dass Hartmann daraus keine Forderung an den Staat ableitet, wenngleich doch die Idee der "Chancengleichheit durch Bildung" solcherart in Frage gestellt sei. Vielmehr fordere Hartmann vom Staat nur, seine Illusionen aufzugeben. Hartmanns "Adressaten", so Niejahr, sind "eher die Personalabteilungen und die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft", und das Buch sei überhaupt eher für ein Fachpublikum geschrieben. Dass das Selbstverständnis deutscher Manager und Unternehmer als "Leistungselite" peinlich unerschüttert ist, zeige Hartmann allerdings selbst, und zwar am Beispiel einer Werbekampagne, in der man ausgerechnet Friedrich von Bohlen mit dem Motto "Chancen für alle" für das Risiko der Selbstständigkeit werben lässt, also einen "wohlhabenden Spross einer der ältesten Industriellenfamilien Deutschlands". Das macht die Rezensentin etwas ratlos.