Michael Hagemeister

Die "Protokolle der Weisen von Zion" vor Gericht

Der Berner Prozess 1933-1937 und die "antisemitische Internationale"
Cover: Die "Protokolle der Weisen von Zion" vor Gericht
Chronos Verlag, Zürich 2017
ISBN 9783034013857
Gebunden, 648 Seiten, 54,00 EUR

Klappentext

Mit 39 Abbildungen. 1933 erhoben der Schweizerische Israelitische Gemeindebund und die Israelitische Kultusgemeinde Bern vor dem Berner Amtsgericht Klage gegen die Verbreiter der "Protokolle der Weisen von Zion". In dem weltweit beachteten Verfahren suchten die Kläger die Entstehung des Textes lückenlos zu rekonstruieren und damit das einflussreichste Dokument des modernen Antisemitismus als Fälschung zu entlarven. Die antisemitischen Beklagten wollten hingegen die "Echtheit" der "Protokolle" nachweisen. Dabei konnten sie auf ein weit verzweigtes Netzwerk zurückgreifen, dessen Verbindungen von Berlin, Paris und Wien bis nach Los Angeles und ins mandschurische Harbin reichten. Beide Seiten trugen eine Vielzahl von Dokumenten und Zeugenaussagen zusammen, die sich heute in über 30 Archiven auf drei Kontinenten befinden. Der Autor hat diese Materialien erstmals zusammengeführt und ausführlich kommentiert. Der Band wirft Licht auf die bislang kaum erforschte "antisemitische Internationale" der Zwischenkriegszeit und zeichnet ein Bild der Vorgeschichte, des Verlaufs und der Hintergründe des Berner Prozesses. Dadurch wird die vorherrschende Sicht auf die Herkunft und Frühgeschichte der "Protokolle" grundlegend revidiert, wobei die Frage der Urheberschaft sich wieder als offen erweist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2017

Rezensent Christoph Wehrli erkennt in Michael Hagemeisters Rekonstruktion des Berner Prozesses um die "Protokolle der Weisen von Zion" ein kritisches "Buch-Denkmal" der Aufklärung. Mit seiner Darstellung von Hintergründen, Prozess-Taktiken, Interna sowie der mit den "Protokollen" verbundenen Behauptungen, Lügen und Fantasien dringt der Historiker und Slawist Hagemeister laut Wehrli gründlich in die Materie ein. Auf Einzelstudien basierend bietet Wehrli der Band auch eine Chronik, Kurzbiografien der Protagonisten und ausführliche Dokumente zum Prozess.