Michael Ebmeyer

Henry Silber geht zu Ende

Erzählungen
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2001
ISBN 9783462029956
Taschenbuch, 200 Seiten, 9,15 EUR

Klappentext

Michael Ebmeyer erzählt vierzehn Geschichten von Töchtern und Söhnen, Müttern und Vätern, von Liebenden, Schlagersängern und Nacktjoggern: Ein Mann und eine Frau spielen Priesterschüler und Eurythmielehrerin, um zusammen sein zu können. Als der erste Kuss aufhört, vermisst der Mann seine rechte Hand. "Jetzt schön grün atmen", flüstert die Frau. Grüner wirds nicht, denkt er. Ein Steiger fällt im Bergbaumuseum vom Schlag getroffen um und weiß nicht, wo er sich befindet. Wie soll er sich den Tod vorstellen, jetzt da er ihn erlebt? Was könnte ein Steiger im Tod machen: eine Leiter hochklettern?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.05.2001

Jan Brandt liefert mit seiner Rezension zugleich ein Portrait des jungen Autors. Der Band versammelt vierzehn Geschichten, die sich, wie der Rezensent lobend betont, nicht um den Erzähler und seine Alltagserlebnisse drehen, sondern von Wendepunkten handeln, "vom Wahnsinn und Glück anders zu sein." Die Geschichten seien rebellisch, poetisch und überraschend und zudem witzig und melancholisch. Der Eindruck, dass er seine verschrobenen Figuren und deren Macken nicht ganz erst nehme, brachte ihm den Vorwurf ein, sich über linkes Engagement lustig zu machen (die Geschichte einer Verzweiflungstat eines jungen Trotzkisten im bürgerlichen Ambiente). Doch ihn interessieren allgemein "Aussteiger, die den Aufstand proben" und "extreme Individualisten". Brandt lobt die kurzen und absurden Geschichten wegen ihrer originellen Figuren und der einfachen wie präzisen Sprache. Da sich die Geschichten nicht um den Autor drehen, wie der Rezensent nochmals bemerkt, stehe Ebmeyer unter den deutschen Debütanten alleine da. Auch seine Fähigkeit, Kitsch und Klamauk mit den großen Themen der Literatur zu verbinden ist Grund für ein Lob, ebenso wie die Radikalität der Erzählungen, die einer weit verbreiteten Harmoniesucht entgegensteuere.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.05.2001

Alexander Menden kann sich für diese Geschichten - von zwei Ausnahmen abgesehen - nicht wirklich erwärmen. Besonders stört ihn die Distanz des Autors gegenüber seinen Protagonisten. Zwar gibt es nach Ansicht des Rezensenten durchaus Autoren, denen es trotz "lapidar hingeworfenem Personal" gelingt, Spannung und Atmosphäre zu erzeugen. Doch bei diesen Erzählungen Ebmeyers kann er dies nicht feststellen. Menden scheint oft nicht klar zu sein, worauf der Autor überhaupt hinaus will, er diagnostiziert eine gewissen Beliebigkeit und ein "Ausfransen (...) wie beliebige Alltagsepisoden". Darüber hinaus erscheinen ihm die Erzählungen bisweilen wie Tagebuchaufzeichnungen, was er nicht wirklich interessant findet. Doch immerhin hebt Menden zwei Geschichten als besonders gelungen hervor: "Nackedei" und "Shorts". Hier hat der Autor seiner Ansicht nach nicht nur die Charaktere "recht glaubwürdig" gezeichnet, sondern auch eine "erfreuliche Lakonie" an den Tag gelegt.
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