Matthias Matussek

Wir Deutschen

Warum die anderen uns gern haben können
Cover: Wir Deutschen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783100489227
Gebunden, 351 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Deutsche Helden? Es gibt sie! Ob in der Malerei, Kunst oder Literatur, der Journalist und Auslandskorrespondent Matthias Matussek macht Ansätze einer frischen, neuen deutschen Kultur aus und zeigt, was hinter dem Klischee vom ewigen deutschen Spießer tatsächlich steckt. Er plädiert für eine Nationalidentität jenseits von Fußballweltmeisterschaften oder der Besinnung auf einen wirtschaftsliberalen Konservatismus. Hässlich, humorlos, besserwisserisch und schwermütig - so sind wir Deutschen . Kein Wunder, dass uns keiner liebt, am wenigsten wir uns selbst. Stimmt das denn? Oder haben wir uns nur so sehr an das "Leiden an Deutschland" gewöhnt, daran, dass Jammern zum guten Ton jedes anständigen deutschen Intellektuellen gehört?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2006

Witzig ist es ja, dieses Buch, gibt Rezensent Manfred Koch zu. Aber er hat sich eher gegen seinen Willen amüsiert. Den Pointen und "lustvollen Übertreibungen" Matusseks konnte er sich nicht entziehen. Aber ihm ist auch bewusst, dass gerade dieser spielerische Umgang mit dem Thema neuer Patriotismus jeder Kritik zum Beispiel an falschen historischen Analogien den Boden entzieht: Man "stünde als akademischer Spießer da". Auch bezweifelt Koch, dass es Matussek tatsächlich ums Vaterland geht. Für ihn ist das Buch eher eine Verteidigung der "Vatergesellschaft". Matussek suche "den Rückweg in jenes patriarchalische Paradies..., aus dem uns die Moderne mit ihren Verwirrungen der Völker und Geschlechter vertrieben hat". Dahin möchte ihm der Rezensent offenbar nicht folgen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.06.2006

Die gute Nachricht von Rezensent Harry Nutt: Man kann das Buch lesen. die schlechte: Man erfährt nichts Neues, inhaltlich gesprochen. Atmosphärisch allerdings sei der Leser, abgesehen von der argumentativen Ebene, mit durchaus interessanten Interviews den "Ressentiments" und einer "parvenühaften Eitelkeit" des Autors Matthias Matussek ausgeliefert. Für den Rezensenten hört der Spaß zudem auf, wenn der Autor beim proklamierten neuen Spaß an Deutschland das Problemfeld Nationalsozialismus als "Hitlerei" salopp verniedlicht. Ein wenig mehr "Differenzierungsvermögen" hätte er sich hier gewünscht. Zuletzt weist er noch auf Matusseks Kunstgriff hin, sich und sein Anliegen gewissermaßen als Opfer sozialer Ausgrenzung darzustellen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.05.2006

Bestens unterhalten hat sich Alexander Gorkow bei der Lektüre von Matthias Matusseks Deutschland-Betrachtungen. In seiner belustigten Rezension beschreibt er den Autor, lange Jahre Reporter in New York, Rio und London und seit rund einem Jahr Kulturchef des Spiegel, als Chimäre aus Heinrich Heine, Gerhard Schröder und Peter Gauweiler. Schnell ist Gorkow klar, dass Matussek nicht zu den Deutschen gehören will, die sich wegen ihres Deutschseins grämen und genüsslich selbst zerfleischen. Abgerechnet werde deshalb nicht nur mit den ausländischen, sondern auch mit den inländischen Feinden der Nation. Die Frage, ob Matussek nun "verbittert links" oder "bodenlos neurechts" oder vielleicht beides zugleich ist, lässt Gorkow unbeantwortet. Sie spielt seines Erachtens auch keine Rolle. Denn die "Kombination aus Reportage und Hochkomik", die der Matussek bietet, findet er schlicht toll.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.05.2006

Rezensent Dirk Knipphals findet dieses Deutschland-Buch eher uninteressant und eigentlich sogar ärgerlich. Dass es sich bei dieser Publikation grundsätzlich um eine, mit "lockeren Überlegungen" angereicherte Zweitverwertung alter Spiegelartikel über Heinrich Heine, Heidi Klum oder die Dresdener Frauenkirche handelt, könnte Knipphals dabei gerade noch verschmerzen. Doch dass der Autor nie deutlich formuliert, was er mit "Deutschland" eigentlich meint und diesen "schillernden Begriff" in seinem Buch stattdessen eigentlich nur "naiv" bestaunt, mag Knipphals dem Spiegelredakteur nicht durchgehen lassen. Denn aus Rezensentensicht verschenkt Matthias Matussek damit das Thema, geht schlampig und eigentümlich unernst damit um und lässt im Übrigen jede Art gedanklicher Differenzierung vermissen. Manchmal kommt es so schlimm, dass Knipphals innerlich den Drang verspürt, Deutschland vor seinem Verehrer Matussek in Schutz nehmen zu müssen. Vor allem aber macht ihn der ins Leere laufende verbale Hochdruck dieser Texte staunen, "mit wie wenig gedanklichem Aufwand" jemand wie Matussek bei diesem Thema "durchkommen zu können glaubt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2006

Was Hans Ulrich Gumbrecht an dialektischem Lob über dieses "faktenreiche" Buch und seinen Autor Matthias Matussek ausschüttet, entpuppt sich am Schluss seiner Besprechung als Verehrung des deutschen Feuilletons ("Glanzlicht der Berliner Republik"). Am Buch wie am Feuilleton gefallen Gumbrecht die Gelehrtheit, verbunden mit Einsatzfreude. Bei Matussek kommt eine Entspanntheit hinzu, die den Rezensenten angesichts des Themas überrascht. Deutschland mit so viel Liebe und Ironie zugleich zu betrachten, scheint dem Rezensenten allerdings möglich auch nur insofern, als der Autor Deutschland primär als Kulturnation behandelt und so prekäre territoriale oder politische Definitionen vermeidet. Auch das geht in Ordnung, findet Gumbrecht. Doch den Wunsch, der Autor hätte seine analytischen Fähigkeiten auch auf die dunkle Vergangenheit angewandt, wird er nicht los. Zu harmlos erscheint ihm dann doch die von Matussek vorgeschlagene Definition Nazideutschlands, aller Achtung vor des Autors Lässigkeit zum Trotz. Oder ist es gerade der optimistische Ton, der den Leser verpflichtet zurückzuschauen? Gumbrecht scheint sich das zumindest zu wünschen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.05.2006

Michael Naumann gefällt es, wie Matthias Matussek mit markigen Aussagen die Auseinandersetzung sucht und die Political Correctness mit polemischer Verve durchkreuzt. Naumann findet diesen "Vulkanausbruch von Vaterlandsliebe" zwar manchmal so heftig, dass es schon weh tut, gesteht Matussek aber wegen dessen Offenheit in Bezug auf die eigene politische Sozialisation vom Maoismus zum Neokonservativen eine solide Glaubwürdigkeit zu. Matusseks Vorbild sei der Satiriker Heine, zu dem er laut Naumann an einigen Stellen sogar beinahe aufschließen kann. In dieser Lautstärke wird das Loblied auf das Heimatland wohl nicht lange erschallen, meint der Rezensent, und auch der Autor wird sich aus dem eigenen Fenster beizeiten wieder ein wenig zurücklehnen, aber dieses "schön unordentliche" und überdeutliche Buch begrüßt er im Großen und Ganzen doch.
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