Lily King

Euphoria

Roman
Cover: Euphoria
C. H. Beck Verlag, München 2015
ISBN 9783406682032
Gebunden, 262 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sabine Roth. Neuguinea, Anfang der 1930er Jahre. Drei junge Ethnologen - die schon berühmte und faszinierende Amerikanerin Nell Stone, ihr Mann Fen und der Brite Andrew Bankson - stoßen nach Jahren einsamer Feldforschung aufeinander und entwickeln eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung. Erschöpft von den Versuchen, etwas Verwertbares über die Stämme am Sepikfluss herauszufinden, gelangen die drei Forscher zu den Tam, einem weiblich dominierten Stamm mit ungewohnten Ritualen. Während sie immer tiefer in das Leben der Tam eindringen, werden auch ihre unterschiedlichen Wünsche und Interessen immer deutlicher, die erotische Anziehung zwischen Nell Stone und Andrew Bankson immer intensiver. Schließlich schreitet Fen zu einer dramatischen Aktion mit tragischem Ausgang für alle.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2015

Eines stellt Rezensent Karl-Heinz Kohl klar: Dass Lily King ihre Heldin Margaret Mead als eine Anthropologin zeichnet, die ihren männlichen Kollegen und Liebhabern Reo Fortune und Gregory Bateson menschlich und wissenschaftlich weit überlegen ist, mag wie feministisches Wunschdenken anmuten, ist aber durch die Historie absolut gedeckt. Auch sonst kann Kohl der Autorin attestieren, ihren fiktionalisierten Roman über die amerikanische Wissenschaftsikone gut recherchiert zu haben. Er folgt Mead und ihren beiden Kompagnons mit Interesse an den Mittellauf des Sepik, wo sie jeweils ganz eigene Wissenschaftstemperamente entfalten, um Kultur und Persönlichkeiten der Papua zu erkunden. Kohls Begeisterung bleibt in der Besprechung verhalten, doch wie King den wissenschaftlichen Ethos der 20er und 30er Jahre einfängt, gefällt ihm gut. Nur mit dem Ende ist er unzufrieden, da hätte er Mead etwas Besseres gegönnt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2015

Eine Ménage-à-trois ist in der Literatur an sich ja nichts Neues, bemerkt Rezensentin Anna-Lena Scholz angesichts des Romans "Euphoria". Allerdings zerlege und analysiere Autorin Lily King diese brisante Form der Liebe ethnologisch, und das gefällt der Kritikerin ganz offensichtlich - handelt es sich doch bei den Liebenden selbst um Ethnologen. Die Dreiecksgeschichte über ein Feldforschung betreibendes Paar und den dazustoßenden Übervater ist im Neuguinea der 1930er-Jahre angesiedelt, erläutert Scholz, und holt so die Gelehrsamkeit aus den staubigen Bibliotheken heraus in die schwülwarme Wirklichkeit. Zurecht, wie die Rezensentin befindet, denn im Grunde sei Wissenschaft "reinste Erotik". Bei der Zeichnung ihrer weiblichen Hauptfigur habe sich die amerikanische Schriftstellerin Lily King von der Ethnologin Margaret Mead inspirieren lassen, schreibt Scholz weiter. Ihr wohlwollendes Urteil: King löse sich "souverän von der Übergröße dieser realen Person."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.08.2015

Für ihren Roman "Euphoria" hat sich die amerikanische Autorin Lily King von den Forschungsreisen Margaret Meads und ihrer beiden Ehemänner nach Neuguinea inspirieren lassen, berichtet Tim Caspar Boehme. Während King drei Anthropologen nach losem historischem Vorbild - hier heißen sie Stone, Fen und Bankson - fiktive ethnische Gruppen untersuchen lässt, untersucht die Autorin mit ähnlich bemühter Distanz das Verhältnis ihrer Figuren zu einander, das sich schnell zu einer geladenen Dreiecksgeschichte zuspitzt, erklärt der Rezensent. Das inszenierte Beobachten der Beobachter wirkt dabei auf eigentümliche Art verstörend, lobt Boehme.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.08.2015

Sabine Vogel lässt sich mitreißen von Lily Kings komplexer Story um drei wissenschaftlich wie erotisch miteinander konkurrierende Anthropologen in Papua-Neuguinea. Wie die Autorin ihre Geschichte an die Vita der Anthropologin Margaret Mead anlehnt, wie sie Romantik und Liebe mit Unheil und Gewalt kontrastiert, scheint Vogel bestimmend für den Text zu sein, über dessen Aufbau die Rezensentin ruhig noch ein paar Worte mehr hätte verlieren dürfen. Spannend findet Vogel den Umstand, dass der Leser bei King zum Erforscher des Fiktionalen wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2015

Rezensentin Sandra Kerschbaumer freut sich, dass die amerikanische Autorin Lily King mit dem neu übersetzten Roman "Euphoria" auch hierzulande entdeckt werden kann. Gebannt liest die Kritikerin die Lebensgeschichte der Ethnologin Margaret Mead, die mit ihrem zweiten Ehemann, Reo Fortune, Feldforschungen in Neuguinea durchführt. Großartig, wie die Autorin historische Fakten mit Fiktion verknüpft, findet die Rezensentin, die hier auch den ehelichen Spannungen der beiden Forschenden folgt. Dank Kings gründlicher Recherche lernt Kerschbaumer darüber hinaus nicht nur einiges über die Lebensweise und die Riten des hier geschilderten Volkes, sondern auch über die Beschränkungen der menschlichen Beobachtungsgabe. Nicht zuletzt lobt die Kritikerin diesen "sinnlich-suggestiven" Roman als lesenswerte Auseinandersetzung mit den kulturrelativistischen Positionen Meads und so verzeiht sie gern die ein oder andere überflüssige Passage.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.07.2015

Die amerikanische Autorin Lily King macht in ihrem Roman klar erkennbare Anleihen am Leben der Wissenschaftsikone Margaret Mead, die zusammen mit ihrem Mann und ihrem Liebhaber am Sepik die Völker Neuguineas erforschte und dabei neue Maßstäbe in der modernen Anthropologie setzte. Doch Ulrich Rüdenauer betont, dass es sich bei "Euphoria" ganz eindeutig um einen fiktionalisierten Roman handelt, was die Erzählung jedoch nur umso sinnlicher und facettenreicher mache. Denn der Rezensent sieht hier sehr genau die Beobachter beobachtet, in all ihrer "Leidenschaft, Wissensgier, Eifersucht". Doch besonders imponiert dem Rezensenten der Moment der "Euphorie", den Lily King so eindrucksvoll beschreibe: Die Euphorie packt die Forscher nach ungefähr acht Wochen und versetzt sie in einen ungeahnten Erkenntnisrausch und Erfahrungstaumel  - bevor sie in eine lang anhaltende "bodenlose Verzweiflung" stürzen.
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