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Katharina Döbler

Dein ist das Reich

Roman
Cover: Dein ist das Reich
Claassen Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783546100090
Gebunden, 480 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Ein ungewöhnlicher Familienroman über ein verschwiegenes Kapitel deutscher Geschichte: die Beziehung zwischen christlichem Sendungsbewusstsein, Kolonialismus und Rassismus.Die Familienerzählungen, die vom ländlichen Bayern an die Südsee führten, waren so behaftet mit Unglück und Nostalgie, dass sie, die Nachgeborene, sie stets von sich wies. Zumal die Großeltern auf der falschen Seite standen: Sie waren Kolonialisten, und zwar überzeugte. Doch jetzt will die Enkelin mehr wissen, sichtet die Spuren, die der Kolonialismus und zwei Kriege in ihrer Familie hinterlassen haben. Immer deutlicher entrollt sich vor ihr die exotische Welt Neuguineas, in die ihr Großvater Johann als abenteuerlustiger Missionar auszog, um die Heiden im "Kaiser-Wilhelmsland" zu bekehren. Eine vermeintliche Südsee-Idylle, geprägt von Bigotterie und Chauvinismus, in der sich die Wege vierer eigensinniger Menschen - ihrer Großeltern - schicksalhaft kreuzen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.07.2021

Klug findet Rezensent Paul Stoop Katharina Döblers fiktionalisierte Annäherung an ihre eigene Familiengeschichte, die dem Leser laut Stoop ein Bild deutscher Kolonialgeschichte in Papua-Neuguinea vermittelt. Wie die Großeltern der Autorin ihre fränkische Heimat freiwillig gegen ein Leben als Missionare in Afrika eintauschten und welche Folgen das hatte, auch für den Rest der Familie und die Nachkommen, schildert die Autorin laut Rezensent anhand von Archivmaterial und persönlichen Dokumenten differenziert, genau, farbig und ohne die Sympathie für die Figuren aufzugeben. Lesenswert, meint Stoop.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.07.2021

Rezensent Jörg Häntzschel hätte dem Roman von Katharina Döbler ein um einige Jahre früheres Erscheinungsdatum gewünscht. So hätte es einfach als bewegende Familiengeschichte über kollektiven Wahn gelesen werden können. Vor dem Hintergrund heutiger Kolonialismus-Debatten aber scheint Häntzschel die Lektüre viel problematischer. Die Fremdheit, die er als Leitmotiv im Text identifiziert, beschleicht ihn selbst beim Lesen über Döblers Großeltern und ihre mit Eifer ausgefüllte Missionarsrolle in Papua-Neuguinea. Das Problem, über den Irrglauben der eigenen Familie zu erzählen, scheint ihm die Autorin nicht restlos befriedigend gemeistert zu haben. Zwar bemüht sich Döbler laut Rezensent immer wieder, dem Leser die eigene verbliebene Zuneigung zu den Großeltern zu erläutern, doch Häntzschel wirkt nicht wirklich überzeugt. Auch scheint ihm diese Zuneigung die Realität in den Kolonien weichzuzeichnen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.06.2021

Am Ende der Lektüre weiß Rezensent Oliver Pfohlmann nicht mehr, wer in der von Katharina Döbler erzählten Geschichte fränkischer Missionare in Neuguinea eigentlich exotischer ist, die Missionierten oder die Missionare. Wie Döbler in ihrem Text Familiengeschichte, Kolonialgeschichte und Kaiserreich-Panorama zu einer spannenden, komplexen, sprachlich stilsicheren und sogar humorvollen Erzählung verknüpft, findet der Rezensent jedenfalls großartig. Hochaktuell und historisch lehrreich ist der Text darüber hinaus, meint er.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.06.2021

Rezensent Hans-Peter Kunisch verdankt Katharina Döblers neuem Roman einen Einblick in den nicht selten religiösen Hintergrund von weißem Rassismus in den Kolonien. Döbler erzählt ihm hier anhand alter Fotografien von ihren Großeltern, die in der Neuendettelsauer Mission auf Neuguinea lebten und von ihren Eltern, die zunächst ebenfalls noch auf Neuguinea aufwuchsen. Dass Döbler das Schicksal ihrer in der Gegenwart lebenden Ich-Erzählerin dagegenschneidet, erscheint dem Rezensenten klug. Besonders aber hebt er den so "sanften" wie kritisch-distanzierten Ton der Autorin hervor.