Matthias Beltz, auch ohne Jogging gut erhaltenes Urgestein aus hessisch-revolutionären Zeiten, wagt sich immer wieder in die Extreme der radikalen Zeitgenossenschaft. In seinem neuen Buch beobachtet er eine Jahrhundert-Konjunktur der Moral, eine hochschießende Sehnsucht nach dem Guten und logischerweise gleichzeitig nach dem Bösen, nach dem Feind, dem gegenüber Moral sich absetzen kann und lässt ? gegen Kohle natürlich. Nichts ist nämlich umsonst, erst recht nicht, wo sich alles rechnen muss, und umsonst ist auch nicht der Verlust des Kommunismus. Denn jetzt müssen wir uns bange und verlassen fragen: Wie soll es weitergehen ? ohne Feind und damit auch ohne Ehr? Die verblüffende Antwort liefert Matthias Beltz messerscharf: Wir brauchen den Kommunismus dringend wieder ? nicht, weil er uns als solcher eigentlich wirklich fehlt, sondern weil er uns mit seinem Verschwinden das bombensichere Fundament unserer Moral geraubt hat. Für die bevorstehende Zeitenwende gilt also der sauber kalkulierte doppelte Schlachtruf: Es lebe die Moral, es lebe der Kommunismus!
Gabriele Killert ist sehr beredt sprachlos - zumindest, was den Inhalt des Beltzschen Buches betrifft. Worum es geht, können wir uns allerdings auch selber denken - bei einem politischen Kabarettisten unserer Zeit. Stoff, sollte man meinen, gibt es jedenfalls genug. Und dann helfen uns die Ausführungen Killerts auch unbedingt weiter, wenn wir uns fragen, ob wir den richtigen Spaßmacher wählen mit diesem Buch: Von "furiosem Pointengalopp" ist da die Rede, von "lasziven Assoziationen und tückischen Syllologismen". Wenn Killert am Ende noch den "komischen Charme" dieses "freiesten und bestsortierten Kopfes der hiesigen Kabarettszene" betont, sind wir ganz sicher: Beltz ist unser Mann.
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