Matt Ridley

Alphabet des Lebens

Die Geschichte des menschlichen Genoms
Claassen Verlag, München 2000
ISBN 9783546002264
gebunden, 415 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sebastian Vogel. In 23 Kapiteln, in jeweils einer Geschichte zu einem Gen der 23 Chromosomenpaare, führt uns Matt Ridley auf eine faszinierende Reise durch unsere Vergangenheit und in eine spannende, wenn auch nicht unumstrittene Zukunft der Genforschung. Er erzählt die Entzifferung des menschlichen Genoms, der Summe sämtlicher Gene und er entdeckt Gene, die wir mit Bakterien gemeinsam haben, Gene, die uns vom Schimpansen unterscheiden, Gene, die unsere Intelligenz bestimmen, Gene, die uns zu unheilbaren Krankheiten verdammen, während andere sich gegenseitig bekämpfen, Gene, die unser Erinnerungsvermögen steuern und solche, die die Geschichte der Völkerwanderungen aufgezeichnet haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2000

Thomas Weber ist über dieses Buch geteilter Meinung. Denn einerseits begrüßt er, dass Ridley den längst überfälligen Versuch unternommen hat, auch Laien die Möglichkeiten und Grenzen der Genomforschung zu vermitteln. In diesem Zusammenhang lobt Weber denn auch Ridleys Fachwissen und sein Talent als "Schreiber", und merkt an, dass der Leser in der Tat "ungemein viel und Aufregendes über die moderne Genetik erfahren" kann. An manchen Stellen hat es sich der Autor nach Webers Ansicht jedoch zu leicht gemacht. Etwa da, wo Ridley um Argumente, die seinen Thesen von der Erblichkeit der Intelligenz zuwider laufen, einfach einen Bogen macht. Gar nicht einverstanden ist der Rezensent mit Ridleys These, dass für die meisten Merkmale des Menschen zu einem klaren und entscheidenden Prozentsatz die Gene und zu einem anderen Prozentsatz die Umwelt verantwortlich ist. Dabei lässt der Autor die Wechselwirkung von beiden völlig außer acht, findet Weber, der auf die Tatsache hinweist, dass ethnische Gruppen nach einer Umsiedelung häufig die gleichen Krankheiten entwickeln wie die einheimische Bevölkerung, obwohl in ihrem Heimatort diese Krankheiten zuvor praktisch nie aufgetreten sind. Auf diese komplexen Zusammenhänge komme Ridley jedoch nicht zu sprechen, weil "ein eloquenter Verteidiger eines einfachen Menschenbildes" sei, der den Genen eindeutige Priorität einräume.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.06.2000

Recht angetan zeigt sich Ulrich Woelk von diesem Buch. Seinen Schilderungen ist zu entnehmen, dass es sich hierbei nicht um eine trockene Studie handelt, sondern um ein Buch, das sich sowohl durch hohen Informationsgehalt wie auch durch einen gewissen Unterhaltungswert auszeichnet. So erläutere Ridley nicht nur die Komplexität des Genoms, sondern gehe auch auf die Schwierigkeiten, ja Unmöglichkeit ein, Designerbabys nach Wunsch zu erzeugen. Denn seiner Ansicht nach gebe es bei ausnahmslos jeder Befruchtung einige unerwünschte Gene, und ohnehin: `Wir sind alle Mutanten`, findet Ridley, was der Rezensent offenbar mit Erleichterung zur Kenntnis genommen hat. Anscheinend "hat der Mensch bei den Genen oft nur die Wahl zwischen Skylla und Charybdis" stellt Woelk fest, zumal viele Krankheiten auslösende Gene ihrerseits wieder einen Schutz vor anderen Krankheiten bieten. Ridley habe hier einen bemerkenswerten Beitrag zur Genetik geliefert, ohne ihr dabei das Etikett "der medizinischen Wundertüte oder der finsteren Bedrohung" anzuheften.
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