Gustaf Sobin

Auf der Suche nach einem verlöschenden Stern

Roman
Cover: Auf der Suche nach einem verlöschenden Stern
Berlin Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783827004291
Gebunden, 144 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Peter Knecht. Im Winter 1924 reist Greta Garbo mit ihrem Entdecker, dem schwedischen Stummfilmregisseur Mauritz Stiller, nach Konstantinopel, wo die Garbo bei den Dreharbeiten zu dem Film "Die Odaliske" von Smolny die Rolle der Gräfin Marja Ivanovna übernehmen soll. Die Ankunft ihres berühmten Filmpartners Conrad Veidt verzögert sich, und die noch wenig bekannte Schauspielerin und ihr Spiritus rector Stiller nutzen die Zeit zu ausgedehnten Streifzügen durch die üppigen Gärten und endlosen Zimmerfluchten eines ehemaligen Sultanspalastes im asiatischen Teil der Stadt, in dessen Kulissen der Film entstehen soll. Der Film wird nie fertig gestellt - und doch kommt es in der traumverlorenen Atmosphäre jener Wintertage zu dem magischen Moment der Geburt eines Sterns.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2003

"Auf der Suche nach einem verlöschenden Stern" ist ein typischer Gustav Sobin-Roman, verkündet Jürgen Brocan und meint dies keineswegs abfällig. Wie die meisten Sobin-Figuren taumelt auch Philip Nelson, der krebskranke Protagonist des neuen Romans, "durch ein Spiegelkabinett von Identitäten", stets auf der Flucht vor sich selbst, auf der Jagd nach eigenen und fremden Identität(en) und - in diesem speziellen Fall - auf der Suche nach dem einen "magischen Moment", der aus der ehemaligen Friseurgehilfin Greta Garbo "die Göttliche" machte. Fiktion und Fakten vermengen sich, immer mehr verwischen die Grenzen der Erzählstränge, so dass der Roman, meint Brocan, zu einer raffinierten Reflexion über Kunst und Realität anhebt. Der Rezensent findet Sobins Roman brillant geschrieben, von beklemmender Intensität und stets von einer "hypnotischen Duftnote" umgeben; Brocan vergleicht diese hypnotisierende Wirkung des Romans, der vieles andeute, aber nie ganz erhelle, mit der geheimnisvollen Aura der Garbo, die sich letztlich nicht völlig erklären lasse.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2003

Peter Körte hat zwei Romane des hierzulande "praktisch unbekannten" amerikanischen Autors Gustaf Sobin gelesen, die sich beide um den Mythos des weiblichen Kinostars drehen. "Auf der Suche nach einem verlöschenden Stern" ist ein Buch über Greta Garbo, dessen Ich-Erzähler - ein sterbender Drehbuchautor - dem Geheimnis der Schauspielerin auf den Grund gehen will, fasst der Rezensent zusammen. Die Ausgangsposition der Hauptfigur, nämlich dort anzusetzen, wo die bereits existierenden Lebensbeschreibungen Garbos "keine Lücke gelassen haben", lobt Körte als vielversprechend. Allerdings kann er dem "Geheimnis", dass der Drehbuchautor in Konstantinopel 1924 entdeckt haben will, nichts Neues abgewinnen. Dennoch, räumt er ein, klingt die Erkenntnis, dass Garbo "für sich niemand sein" konnte, weil sie für die Kinobesucher "so vieles bedeuten" sollte, beim Autor "natürlich viel poetischer". Eines allerdings stört den Rezensenten an diesem Roman gewaltig: es sind die "vielen Navigationshilfen" mit denen Sobin sein Buch mit "höherer oder tieferer Bedeutung" ausstatten will und die dem Rezensenten zu aufdringlich erscheinen. Außerdem diagnostiziert er als "Schwäche", dass der zeitliche Abstand sich nicht in die Perspektive, aus der die Geschichte geschildert wird, "einschreibt".