Aus dem Italienischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Giorgio Pellegrini, in Italien wegen politischer Verbrechen gesucht, ist nach Mittelamerika geflüchtet, wo er in einem Camp mit anderen europäischen Ex-Terroristen lebt. Als er die Gelegenheit bekommt, mildernde Umstände zu erwirken, indem er seine ehemaligen Kameraden verrät, kehrt er in die Heimat zurück und stellt sich dort der Justiz. Nach ein paar Jahren Haft und einem Deal mit einem korrupten Kommissar kommt er frei. Von den politischen Idealen seiner Jugend, an die er nie richtig geglaubt hat, ist nur noch ein grausames Zerrbild übrig. Sein oberstes Ziel ist es nun, ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft zu werden. In der zynischen und kalten Welt, in die er entlassen wird, gibt es für ihn nur ein Mittel, dieses Ziel zu erreichen: Mord.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2007
Angetan berichtet Rezensentin Julia Bähr von Massimo Carlottos Roman über einen kaltblütigen Ex-Terroristen, der nach seiner Haftentlassung in die besseren Kreise der Gesellschaft aufsteigen will, was ihm dank seiner kriminellen Energie auch gelingt. Faszination übt der Roman auf Bähr insbesondere dadurch aus, "dass der Leser dem Bösen direkt in die Augen sieht". Die Hauptfigur wirkt auf sie eiskalt und "völlig seelenlos". Der einzige Schwachpunkt des Romans, den sie als "kleiner Machiavelli für Gangster" bezeichnet, sieht Bähr dann auch in der mangelnden Tiefe der Hauptfigur. Nichtsdestoweniger bescheinigt sie der Geschichte eine "unheilvolle Anziehungskraft", die die Vorstellung von dem, was gut, was böse und was notwendig sei, gehörig verschiebe.
Mit großem Vergnügen und reichlichem Erkenntnisgewinn hat Rezensent Maik Söhler den Roman des ehemaligen Lotta-Coninua-Mitglieds Massimo Carlotto gelesen, dem er neben vielen anderen Qualitäten auch Spannung und eine schlichte, schöne Sprache bescheinigt. Carlotto beschreibt darin, wie wir lesen, höchst rasant, wie jemand sich an die Gesellschaft anpasst, indem er zum Kriminellen wird. Darin erkennt der Rezensent ein ziemlich fatalistisches Porträt der italienischen Gesellschaft ebenso, wie er darin ihre Forderung porträtiert findet, ein entlassener Strafgefangener, denn um einen solchen handelt es sich bei dem Protagonisten Pellegrini, habe sich anzupassen. Was Pellegrini eben tut, in dem er zum Kriminellen wird. Im Gefängnis, so lautet offensichtlich eine andere Moral von der Geschicht? - geht es deutlich gesitteter als "draußen" zu, wo das Bild von korrupten Polizisten und Anwälten geprägt wird.
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