In der Rückschau erscheint uns die Antike oft als helle, aufgeklärte Epoche, ein Lichtblick der Menschheitsgeschichte. Dabei vergessen wir jedoch, dass auch die antiken Hochkulturen von Gewalt durchdrungen waren, dass ihre Zeugnisse in Bild und Schrift von Schlachten, Morden und Misshandlungen sprechen. Im Mittelpunkt dieses Buches stehen daher nicht edle Körper, die strahlende Marmorarchitektur und die literarische Hochkultur, sondern die schrecklichen Gewaltexzesse, die diese Epoche ebenfalls prägten. Wie grausam regierten die Herrscher der Antike? Wie und zu welchem Zweck wurde Gewalt dargestellt? Martin Zimmermann widmet sich erstmals der bisher wenig beachteten Schattenseite der Antike und zeigt, welche Schlüsse wir aus den blutrünstigen Überlieferungen des Altertums ziehen müssen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.06.2014
Johan Schloemann lernt vom Althistoriker Martin Zimmermann in diesem lesenswerten Werk nicht, dass es Gewalt in der Antike gab, sondern vielmehr, wie Griechen und Römer in Bildern und Texten über Gewalt kommunizierten. Mit großem Interesse liest er beispielsweise, dass Homers "Ilias" zu zwei Dritteln aus detailliert beschriebenen Kampfhandlungen besteht oder dass bei östlichen Herrschern die Gewaltexzesse - etwa das Abschneiden von Brüsten - besonders stilisiert und stereotypisiert wurden. Dass auch die Griechen selbst in ihren Kriegen und Bestrafungen nicht gerade zimperlich waren, diese in ihren Darstellungen aber stets als gerechtfertigt erscheinen lassen, weiß der Rezensent ebenfalls nach der Lektüre zu berichten. Während der Kritiker Zimmermanns Verzicht auf Klischees lobt, hätte er sich ein einige Unterscheidungen zwischen echter und bloß erzählter Gewalt gewünscht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2014
Wie Gewaltbilder jenseits der Wirklichkeit entstehen und wie Gewaltbilder schon immer in der Politik instrumentalisiert werden, lernt Thomas Speckmann anhand dieser Arbeit des Münchner Althistorikers Martin Zimmermann. Hilfreich findet der Rezensent, wie der Autor mittels historischer und aktueller Beispiele Fakten und Fiktionen voneinander scheidet. Für Speckmann entsteht so eine Spur der fiktionalen Gewaltberichte in Politik und Literatur, die von antiken Inschriften und Gerichtsreden über Ratgeberliteratur und astrologische Texten bis zur politischen Rede reicht. Das Spektrum der Beweggründe für das jeweilige Gewaltbild und dessen Rezeption reicht laut Rezensent vom simplen Glück des Gruselns bis zu Machtkonstruktion und Machterhaltung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2013
"Etwas ratlos" ist Urs Hafner nach der Lektüre von Martin Zimmermanns Buch, in dem der Historiker der Frage nachgeht, ob die Antike eine gewalttätige Epoche war. Dass er dies verneint, überrascht Hafner nicht wenig, weckt der Titel des Buches doch andere Erwartungen. Wenig differenziert sei diese Aussage schon hinsichtlich der Vielfalt der antiken Kulturräume und der Länge des Zeitraums, urteilt er. Die Beschreibungen der auf Bildern dargestellten Gewalttätigkeiten sind ihm streckenweise zu ausführlich. Zimmermanns Versuch, im Zuge einer Untersuchung der genetischen Disposition des Menschen zur Gewalt Freud und Lorenz zu widerlegen, kritisiert Hafner als reichlich "salopp". Der Rezensent ist zwar angetan von der Fülle an Texten und deren theoretischer Reflexion, vermisst aber neue Denkanstöße.
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