Martin Seel

Theorien

Cover: Theorien
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783100710109
Gebunden, 255 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Philosophische Theorien gelten als schwer zugängliche, abstrakte Gedankengebäude. Martin Seel zeigt, dass es auch anders geht: In geschliffenen Sätzen, Beobachtungssplittern, Aphorismen, Denkbildern und kurzen Erzählungen lässt er die großen Themen der Philosophie im Kleinen aufscheinen. In der literarischen Tradition von Lichtenberg, Nietzsche, Wittgenstein, Benjamin oder Adorno macht er Ernst mit der These, dass Theorien Anschauungen sind.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2009

Rezensent Johan Schloemann ist geradezu beglückt von dieser Aphorismen-Sammlung des Frankfurter Philosophen Martin Seel. Dass ein deutscher Professor sich Zeit zum "Schauen und Denken" nimmt und sich nicht scheut, in die große Tradition der philosophischen Aphoristiker zu treten und sein "Ich" offenzulegen, findet Schloemann ebenso "vorbildlich und erquickend". Denn er kann es ja! Fünfhundertsiebzehn Aphorismen hat der Rezensent gezählt, und sie alle scheinen ihm voll treffender Beobachtungen und kluger Einsichten zu - das verlangt die Form - allem und jedem, aber auch auch zu Moral, Vernunft, Schönheit, Leidenschaft und Käsetheken. Klar zeigt sich dem Rezensenten, dass Martin Seel die kleine Form beherrscht, leicht und anschaulich schreibt er (wenn auch nicht ganz durchgängig) und verrät dabei auch das Geheimnis: "Sich nicht vom Gedanken zur Formulierung, sondern von der Formulierung zum Gedanken verleiten lassen - das ist der Trick."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009

Der Philosoph als Aphoristiker - das ist die Rolle, die Martin Seel in diesem Band spielt. Oder auch, frei nach John Ford: "Mein Name ist M.S., ich mache Theorien". Das kann man, meint Rezensent Andreas Platthaus, erst einmal schon etwas "großkotzig" finden. Aber dabei bleibe es nicht, darüber ziele dieses Buch doch deutlich hinaus - durch Raffinesse. Eine Raffinesse, die - erklärtermaßen - etwas Musikalisches hat, dem Jazz abgehört ist, dem überhaupt Seels große Bewunderung gilt, so Platthaus. Als Leitmotive, erklärt er, kehren der Tod wieder und die Tätigkeit des Philosophierens, die etwas damit zu tun hat, dass einer darauf zu warten versteht, dass ihm etwas zufällt. Nicht nur auf den dichten argumentativen Zusammenheit verzichte Seel zugunsten der Freiheit des Denkens; auch nicht mehr als drei Philosophen werden im Buch beim Namen genannt: Kierkegaard, Nietzsche, Wittgenstein. Die sind durchaus Vorbild des Bands, der dem Rezensenten zwar gelegentlich Geduld abverlangt, ihn aber offenbar auch um manche Einsicht reicher gemacht hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.09.2009

Harry Nutt sähe diesen Autor gern zwischen Cioran und Canetti. Die Aphoristik behandelt Martin Seel auf eine Weise, die Nutt mit nicht weniger Respekt erfüllt, als alles, was er von Seel bisher gelesen hat. Begriffliche Strenge und Eleganz im Stil auch in diesem Band. Den Nutt allerdings eher zum Genre akademischer Lockerungsübungen zählt. Mit vielversprechenden Aussichten allerdings: Eine Revision von Gemeinplätzen und eine besondere Aufmerksamkeit für Ambivalenzen. So erfährt der Rezensent, wie sich Begriffe, wie Tugend und Laster, Gelingen und Scheitern, Schönheit und Moral dehnen lassen in ihre jeweils scheinbar entgegengesetzte Richtung. Gegen drohende Beliebigkeit sieht Nutt bei diesem Autor stets genügend Präzision am Werk. Gegen die Gefahr der Selbstüberschätzung, so er, wirkt Seels Sinn für Form Wunder.
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