Martin Schmitz

Humanität und Diplomatie

Die Schweiz in Köln 1940-1949
Cover: Humanität und Diplomatie
Aschendorff Verlag, Münster 2001
ISBN 9783402053850
Gebunden, 320 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Bearbeitet von Bernd Haunfelder. Mehr als fünfzig Jahre nach Kriegsende ist längst in Vergessenheit geraten, dass die neutrale Schweiz der hungernden deutschen Bevölkerung nach 1945 umfangreiche Hilfe zuteil werden ließ. Besondere Aufmerksamkeit widmete das eidgenössische Nachkriegshilfswerk "Schweizer Spende" der Rheinmetropole Köln. Seltenes, bisher noch nicht veröffentlichtes Fotomaterial aus Privatbesitz gibt einen Eindruck von Not und Elend, aber auch von der Hilfsbereitschaft der Schweizer Freiwilligen. Der zweite Teil des Buches befasst sich mit den in dieser Form erstmals veröffentlichten Berichten des Schweizer Generalskonsuls in Köln, Franz-Rudolf von Weiss, der die gedrängt dramatische Epoche vom Kriegsbeginn bis zur Wahl Konrad Adenauers zum ersten deutschen Bundeskanzler 1949 in hunderten von Berichten an die Schweizer Regierung niedergeschrieben hat.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.03.2002

Der mit "tzm" zeichnende Rezensent bespricht ein seiner Ansicht nach sehr aufschlussreiches Buch zur Rolle des Schweizer Diplomaten Weiss in Köln während des Dritten Reiches und danach. Der germanophile Weiss habe trotz der verschiedensten (auch rassistischen) Vorurteile, die in seinem Denken verankert waren, das Unrecht, das geschah, erkannt und davon berichtet - zu einer Zeit, als viele seiner Kollegen dies leugneten. Dennoch werde in dem Buch nicht verheimlicht, dass auch Weiss sich teilweise widersprüchlich verhalten hat, Dies habe die Herausgeber allerdings nicht davon abgehalten, das Engagement des Diplomaten auch nach dem Krieg durch die Auswahl der Texte angemessen zu würdigen. Es sei hier eine "umfassende Publikation" von Weiss' diplomatischen Berichten entstanden, die interessante Einblicke gewähre, lobt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2001

Karl-Ulrich Gelberg hat diesen Band offenbar mit großem Gewinn gelesen - zumal die kleineren ausländischen Hilfsorganisationen in der Nachkriegszeit sonst oft im Schatten der amerikanischen "Care" stünden. Und so könne sich der Leser hier informieren, welche Hilfseinrichtungen die Schweizer in Köln eingerichtet haben, etwa Werkstätten, Suppenküchen und sogar eine Lesestube "im Stil einer alpenländischen Bauernstube". Dabei lobt der Rezensent die - auch aufgrund guter Quellenarbeit und reicher Bebilderung -sehr große Anschaulichkeit der Darstellung. Interessanter noch findet Gelberg jedoch die Berichte des damaligen Schweizer Generalkonsuls Franz-Rudolf von Weiss aus der Zeit von 1940-1949, die hier zum Bedauern des Rezensenten nur teilweise abgedruckt werden. Gelberg lobt hier besonders die "nüchternen und direkten Schilderungen der Vorgänge und Meinungen in Köln", etwa zum Nationalsozialismus, zur Euthanasie, Zwangsarbeit, aber auch Hunger, Verzweiflung und zu der typischen antipreußischen Haltung der Kölner. Unabhängig vom Buch merkt Gelberg zum Schluss an, dass Weiss selbst vielen Juden das Leben gerettet hat, dass er jedoch weder von Kölner noch von Schweizer Seite eine Anerkennung dafür erfahren hat, im Gegenteil: Er wurde 1949 von der Berner Zentrale aus Köln abberufen, womit seine Karriere weitgehend beendet war.

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