Als "Pumpgun-Ronnie" wurde der Bankräuber, der bei den meisten seiner Überfälle eine Reagan-Maske trug, Ende der achtziger Jahre berühmt. Fernsehen und Zeitungen berichteten in allen Ausgaben über seine Flucht, die er, der Marathonläufer, vier Tage lang überwiegend zu Fuß bestritt. Martin Prinz, ebenfalls Läufer, hat ihn gekannt und zum Helden seines ersten Romans gemacht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2003
Von Schillers "Die Räuber" zu Martin Prinz' "Der Räuber" - Walter Hinck lässt noch einmal die schweren Jungs Revue passieren, die von ihren literarischen Porträtisten meist mit romantischer Aura ausgestattet wurden, um schließlich bei "Pumpgun-Ronnie" anzukommen, der in den Achtzigern die Wiener mit seinen überaus verwegenen Banküberfällen in Aufregung versetzte. Martin Prinz hat ihn im Roman verewigt, mit Faszination, aber ohne ihn größer als seine Verbrechen zu machen. Er lässt, beschreibt Hinck, seinen Erzähler dem Flüchtigen "mit topografischer Genauigkeit" folgen und enthüllt nebenbei die Vorgeschichte seines diebischen Helden - ein Verfahren, das souverän doppelte Spannung erzeuge: Was hat es mit ihm auf sich? Und wird die Flucht gelingen? Sie gelang, weiß Hinck, im wirklichen Leben ziemlich oft, denn Johann Rettenberger -so hieß Pumpgun-Ronnie eigentlich - war Marathonläufer, ein ziemlich guter sogar, der seine Verfolger laufend abschüttelte. Der Roman sei deshalb auch eine "Erfahrungskunde der Fortbewegung", vor allem aber "ein starkes Stück sachlicher und nirgendwo flacher Prosa".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2003
Ein typisches Prosadebüt der heutigen Zeit, bemerkt Hans Christian Kosler etwas belustigt: der Autor berichtet nicht etwa verquält die eigene Geschichte, sondern kalkuliert und stilsicher die eines anderen. Eines Marathonläufers und Bankräubers, der als "Pumpgun-Ronnie" die österreichischen Medien auf Trab brachte. Vier Tage lang zumindest; Prinz schildert Rettenbergers Flucht, so heißt "Der Räuber" eigentlich, aus der Perspektive eines Langstreckenläufers. Das mache diese Prosaetüde, die zu Unrecht das Etikett Roman aufgepappt bekommen habe, zu einer sinnlichen Angelegenheit, da sich der Autor ganz dem Sog des Laufens, dem Rausch der Geschwindigkeit hingeben könne, wobei er sich aller moralischen Kategorien enthalte und damit die normalen Leseerwartungen unterlaufe, meint Kosler. Und gerade dann, wenn man es sich in dieser "Chronik der laufenden Ereignisse" gemütlich gemacht habe, werde der Erzählstrom jäh unterbrochen. In den besten Passagen erinnert Prinz den Rezensenten an den frühen Handke.
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