Tiere sind emotionsbesetzte Objekte, aber einen einwandfrei definierten Würdebegriff gibt es für sie nicht, und so ist es auch Ausdruck der emotionalen Beteiligung, dass heftig umstritten ist, was im Umgang mit ihnen erlaubt und was verboten ist. Das Symposium "Die Würde des Tieres", das im März 2001 an der Universität Basel stattfand, widmete sich seinem Thema von einem interdisziplinären Ansatz aus. Neben Beiträgen, die von einer philosophischen, anthropologischen oder psychologischen Perspektive ausgehen, stehen Beiträge, die sich rechtlichen und gesetzgeberischen Aspekten der Behandlung von Tieren widmen, die ganz praxisbezogen Fragen wie Tierversuche, Tierhaltung, den Umgang mit Wildtieren oder auch den Einsatz von Tieren in der Werbung thematisieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2002
Wo ist die Grenze zwischen Mensch und Tier? Als Rousseau mit seinen Betrachtungen über den Naturzustand des Menschen für Aufsehen sorgte, fragte Voltaire zynisch, ob man nun auf allen Vieren laufen solle. Nachdem Michael Pawlik "Die Würde des Tieres" gelesen hatte, schüttelte er einen ähnlich spitzen Sarkasmus aus seinem Ärmel, allerdings genau andersrum, sozusagen den umgedrehten Voltaire: "Sollen wir also Besserungsanstalten für Nashörner einrichten, die einen ihrer Mitbürger vom Stamme der Menschen niedergetrampelt haben?" Das Buch ist aus einer Reihe von Vorträgen an der Universität Basel hervorgegangen. Teilweise, so Pawlik, sind philosophisch anspruchsvolle und lesenswerte Texte dabei, teilweise kippen die Beiträge aber ins Absurde und weichen die Grenze zwischen Mensch und Tier auf, ohne jedoch die "Härte" der Konsequenzen zu benennen - etwa ein generelles Schlachtverbot. Am Ende versöhnt sich Pawlik jedoch mit dem Buch, das mit seinen kontroversen Ansätzen sogar genau zum richtigen Zeitpunkt komme. "Freilich muss man es rigoros gegen den Strich lesen: Als Anregung an die praktische Philosophie, ihre Aufmerksamkeit statt auf die laufenden Erweiterung von Inklusion wieder stärker auf die Begründung der feinen Unterschiede zu richten."
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