Aus dem Italienischen von Anita Sprenger. Paola Cavalieri betrachtet die ideengeschichtlichen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Veränderungen in unserer Auffassung über die Tiere und untersucht auf der Basis allgemein anerkannter Grundvorstellungen die Struktur der moralischen Gemeinschaft. Sie fragt, nach welchen Kriterien wir Wesen in diese einbeziehen oder nicht und unterzieht diese Kriterien einer kritischen Prüfung. "Wir gebrauchen die nichtmenschlichen Tiere ganz selbstverständlich für unsere Interessen. Wir töten sie, um sie zu essen, wir benutzen sie zur Arbeit oder zum Vergnügen, wir instrumentalisieren sie in jedweder Art von Forschung und fragen uns nur selten, ob unser Verhalten auch moralisch gerechtfertigt ist."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.06.2002
Die italienische Philosophin Paola Cavalieri fordert Menschen-, bzw. "Wesensrechte" für Tiere, die alle kommerzielle Nutzung (also auch Tötung zwecks Verspeisung) untersagen, berichtet die Rezensentin Regina Kreide. Gegen alle philosophischen Theorien, die eine klare Grenze zwischen Mensch und Tier ziehen, argumentiere Cavalieri, dass sie "speziezistisch" verfahren, allein aus Sicht des Menschen. Ihr Gegenvorschlag: Tieren kommt ein "moralischer Status" zu, da sie über Bewusstsein verfügen und über das offenkundige Interesse daran, nicht leiden zu müssen. Sie misst der Freiheit und dem Wohlergehen des einzelnen "intrinsischen Wert" zu - das jedoch der Rezensentin wie ein "metaphysisches Totschlagargument" vor. Wichtige Fragen bleiben, wie sie zudem bemängelt, unbeantwortet: Die nach dem Punkt, an dem eine unzumutbare Einschränkung der Freiheit der Tiere beginnt (Rennpferd? Hauskater?) und die nach der möglichen rechtlichen Interessensvertretung. Eines ist für Kreide, bei aller Kritik, dennoch klar: der selbstverständliche "zivile Umgang mit Tieren" ist die Voraussetzung für alle möglichen Verrechtlichungen des Tierschutzes.
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