Verstört vom Krieg in der Ukraine erforscht Martin Leidenfrost alle nennenswerten Separatismen Europas, die entfesselten und die schlummernden. Und er begibt sich auf eine exzessive Rundfahrt, auf eine ergebnisoffene Suche nach Ideen, Irrwitzen, Inspirationen, nach einer Seele Europas.
Leidenfrost folgt den Spuren euthanasierter belgischer Transsexueller und durch Selbstverbrennung gestorbener Bulgaren. Er stößt auf den letzten Kämpfer für Demokratie in Liechtenstein und auf einen kriegserfahrenen Kosaken in Transnistrien. Wenn Pakistaner in Glasgow slowakische Romni heiraten und wenn serbische Hochlandbauern für albanische Bräute brennen, dann merkt er auf und folgt ihren Wegen. Den vollkommensten Europäer findet er in einem Straßengraben bei Marseille. Und zu Hause im Plattenbau findet er die Liebe.
"Expedition Europa" ist eine erste Auswahl der konzentrierten persönlichen Kurzreportagen, die der österreichische Autor Martin Leidenfrost in Zeitungen mehrerer Länder (darunter Neues Deutschland, Die Presse, Südostschweiz) veröffentlicht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.07.2016
Ob man die "Fünfzig exzessiven Selbstversuche", die Martin Leidenfrost bei seiner Expedition durch Europa gemacht hat, nun als Erzählungen oder Reportagen bezeichnen soll, ist Karl-Markus Gauß im Grunde genommen egal. Viel zu brillant sind diese Texte, die dem Kritiker, die ganze "widersprüchliche Geschichte" Europas vor Augen führen. Gebannt liest Gauß, wie sich der Autor einmal mehr auf Spurensuche begibt, von den turkstämmigen christlichen Gagausen in der Republik Moldau über Glasgow, wo die Bewohner mit 54 Jahren die geringste Lebenserwartung der Europäer haben bis nach Bivio in Graubünden reist und dabei detailreich, präzise und intensiv von den Rändern Europas berichtet, lobt der Rezensent.
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