Martin Lechner

Kleine Kassa

Roman
Cover: Kleine Kassa
Residenz Verlag, St. Pölten - Wien 2014
ISBN 9783701716227
Gebunden, 262 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Der Schlaueste ist Lehrling Georg Röhrs nicht. Doch er hat einen Traum: Liftboy in einem Hotel am Meer will er werden, mit seiner verschwundenen Jugendliebe Marlies den Nachtzug nehmen und aus der heimatlichen Enge fliehen. Als Georg über eine Leiche stolpert und unbeabsichtigt den Schwarzgeldkoffer seines Meisters entwendet, überstürzen sich die Ereignisse: An einem einzigen Wochenende verliert er Wohnung, Arbeit, Eltern, Freunde, Geld, Liebe und vielleicht ein Stückchen seines Verstandes und doch steht am Ende dieser halsbrecherischen Jagd eine neue, ungeahnte Freiheit

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.08.2014

Ina Hartwig ist nur mäßig enttäuscht, dass der Autor in seinem Debütroman noch nicht das ganz Finstre unterm Heidekraut hervorholt und stattdessen erst einmal einen liebenswerten Auszubildenden ins Rennen um Schwarzgeldkassen und Inselträume schickt und jede Menge Lüneburger Lokalkolorit (da kann Hartwig mitreden). Gewitzt nämlich findet Hartwig die Handlung und ihr Arrangement allemal und originell Martin Lechners Heide-Helden. Wie sich aus einer mäßig aufregenden Heimat globalliterarisch Kapital schlagen lässt - hier kann die Rezensentin es begutachten. Das macht Spaß und lässt über provinzielle Dämlichkeit lachen. Das Spielerische am Text denkt Hartwig beim Lesen immer mit. Mitunter geht es ihr sogar zu weit. Dann nimmt der Autor norddeutsche Gepflogenheiten allzu sehr aufs Korn oder überstrapaziert den Sprachwitz.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.04.2014

Wortkino vom Feinsten ist der Debütroman von Martin Lechner für Judith von Sternburg. Verfilmbar sei das Buch sicher gut, meint die Rezensentin, zieht aber die Lektüre vor, denn Lechner kann erzählen, dass jede Stummfilmakrobatik, jeder der Splatterfilme, die der Held im Buch so liebt, dagegen alt aussehen. Das Skurrile, Witzige und Abgründige ist für Sternburg allerdings nur ein Teil des Ganzen. Darüber hinaus ist der Roman für sie Adoleszenz- und Heimatgeschichte, Provinzposse und Kleinstadtroadnovel. Dass der Autor gekonnt mit expressionistischen Bildern und Zeichentrickästhetik hantiert, kann Sternburg begeistern. Etwas romantisch veranlagt sollte man als Leser aber schon sein, meint sie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2014

Was für ein Debüt!, jubelt Oliver Jungen über Martin Lechners Roman aus der Heideprovinz. Dort geht eine Art Wozzeck-Wiedergänger um, der eigentlich flüchten will, sich aber immer tiefer in den "Heidekreis" verstrickt. Für Jungen liest sich das nicht nur spannend und witzig wie ein Helge-Schneider-Krimi, sondern auch mit erheblichem literarischem Genuss. Einen sympathischen Gejagten als Helden der Geschichte, tragisch und komisch, und sogar eine philosophische Ebene baut der Autor laut Jungen ein. Das geht auch als etwas surreales Gesellschaftspanorama durch, findet er. Der Formwille des Autors aber erstaunt ihn wirklich. Expressionistische Prosa vom feinsten, mit treffender Bildlichkeit, einfach virtuos, findet Jungen.
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