Max Blaeulich

Kilimandscharo zweimeteracht

Roman
Cover: Kilimandscharo zweimeteracht
Residenz Verlag, Salzburg 2005
ISBN 9783701714247
Gebunden, 256 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Österreich-Ungarn am Vorabend des Ersten Weltkriegs: Vier Weiße machen sich auf nach Uganda, jeder der vier mit eigenen Zielen. Stackler zum Beispiel, der Physiologe, vermisst Afrika über die Körperteile seiner Ureinwohner und ist auf der Suche nach Monstrositäten. Eine solche ?ndet er in seinem Träger - zwei Meter acht groß -, den er kurzerhand Kilimandscharo nennt und für seine rassenkundlichen Forschungen mit nach Wien nimmt. Bis Stackler das Interesse verliert, das Aufsehen in der Wiener Gesellschaft abklingt und er Kilimandscharo zurückschickt: entwürdigt, entwurzelt, in Trachten-Lederhosen mit Hirschhornknöpfen. Wie im Falle Stackler kommt auch in den Forschungsinteressen aller anderen bald ein privater Wahn zum Vorschein, der keine Rücksichten mehr kennt, geprägt ist von Rassismus und kolonialistischem Herrenmenschengehabe und der Anmaßung zivilisatorischer Überlegenheit. Max Blaeulich entwirft auf der Grundlage historischen Materials das Bild einer zutiefst dekadenten Gesellschaft, die die großen Katastrophen, in denen sie untergehen sollte, aus der Pervertierung ihrer Werte selbst hervorbringt. So ist der so genannte wilde Kontinent, das Ziel der Reise, zugleich auch der Ort, an den sie zurückkehrt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.10.2005

"Kilimandscharo" sei der Name eines Afrikaners, den österreichische Ethnologen in Blaeulichs Roman zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Kuriosum nach Wien deportieren, erklärt Rezensent Paul Jandl. Aus der damals völlig normalen Expedition von vier Forschern für die Österreichische Akademie der Wissenschaften mache der Autor allerdings eine "beissend-satirische" Safari in österreichische Seelenlandschaften. Zumindest was die vier Forscher angehe, beteuert Jandl, sehe es so duster aus wie in einer Kuh, bzw. literarisch gesprochen, sei das "Herz der Finsternis" ihr eigenes. Warum? Im Reisegepäck, so Jandl, hätten die Forscher neben einem Kopfvermessungsgerät auch rassistische Überzeugungen, mit denen sie Österreichisch-Uganda nach Abnormitäten durchstreifen. Das "bizarre Quartett" sei dabei höchstselbst in einem Zustand zwischen Lähmung und Vertrottelung. Historische Tatsachen bessere der Autor "virtuos" mit seiner literarischen Fantasie auf, so dass ein ebenso "einfallsreicher" wie auch "beunruhigender" Roman entstanden sei, naturgemäß "barock". Wie schon in Max Blaeulichs bisherigen Büchern, sei seiner Literatur auch dieses Mal "nichts zu abwegig, um zum Ziel zu führen", lautet das sympathische Urteil des Rezensenten, der sich offensichtlich gut amüsiert hat.

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