Norbert Müller

Easy Deutschland

Roman
Cover: Easy Deutschland
Residenz Verlag, Wien 2007
ISBN 9783701714704
Gebunden, 427 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Arthur, Exregisseur der TV-Serie "Doktor Markus", steht vor zwei Aufgaben: als Angestellter der Relocation-Agentur Easy Deutschland soll er betuchten ausländischen Kunden den german way of life näher bringen, als Mann will er sich endlich von seiner Dauergeliebten Marion trennen. Deren Ehemann Erik hechelt derweil der Position des Volkshochschulleiters hinterher. Ann Charlotte, Marions beste Freundin und liebste Feindin, hat als Avantgardeautorin lange auf den großen Erfolg warten müssen, mit cool&terror hat sie ihn endlich. Und gefährdet ihn, zum Entsetzen ihres Lektors, gleich wieder, indem sie als nächstes einen Mainstreamtext abliefert. Eckhard, Sponsorenakquisiteur eines Kleintheaters, diskutiert seit fünf Jahren mit seiner Frau Carol die Fragen: Berlin oder Amerika? Kind oder kein Kind? Während seine Liebe inzwischen hauptsächlich durch den Magen geht in Form von Nougatkringel und Sahnetörtchen findet Carol in Arthur einen willigen Leihvater... Einen soliden Lebensplan, das hatten die insgesamt sieben Protagonisten alle einmal, und dann: dumm gelaufen. Aber aufgeben gilt nicht, und je grandioser das Scheitern des alten Lebensentwurfs, desto lustvoller das Entwerfen eines neuen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.04.2007

Dieser Roman von Norbert Müller ist sein dickster und gelungenster, schwärmt Katharina Rutschky, die schon die anderen drei Bücher des Autors sehr geschätzt hat. Wie immer begeistert sie der spezielle, zwischen melancholischer und distanzierter Betrachtung der gegenwärtigen Verhältnisse siedelnde Humor Müllers, der sich jegliche Larmoyanz versagt, wie sie dankbar feststellt. Hatte sich der Autor in seinen vorangehenden Romanen noch mit Einzelschicksalen abgegeben, verknüpft er in diesem Buch die Geschichten von zahlreichen und sehr verschiedenen Menschen, und er tut dies mit einer beeindruckenden Souveränität, lobt Rutschky. Gleichwohl sei man für das Personenverzeichnis, das dem Roman vorangestellt sei, dankbar, da man es dringend benötige, um den Überblick zu behalten. Sie bewundert den Autor als einen der wenigen, der sich in Konstruktion und Struktur seiner Bücher vom Gegenwartsmedium Nummer 1, dem Fernsehen, nicht einfach abhebt, sondern sich der Herausforderung stellt. Und so gelinge es Müller, Figuren in seinem Roman zu beschreiben, die man im Fernsehen lieber gar nicht sehen will, scherzt die Rezensentin, die zwar enthusiastisch schwärmt, sie habe schon lange nicht mehr so viel gelacht bei einem Buch, die aber gleichzeitig warnt, dass die Lektüre keineswegs mühelos sei.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.03.2007

Erträglich findet Dirk Knipphals die "Verzweiflungsarien" der nicht mehr oder noch nicht Liebenden in diesem Roman von Norbert Müller, weil der Autor alles mit einem satirischen Firnis belegt. Darunter ahnt Knipphals nurmehr das "vermiedene gesteigerte Tragische". Dass die präsentierte Vordergründigkeit einer "konsequent durchgearbeiteten Fernsehserie" trotzdem als Literatur taugt, weiß Knipphals, weil er durch die "Benutzeroberfläche" des Romans hindurch kunstvolle Szenenkonstruktionen und ein spottreiches "ungemütliches Porträt" heutiger Vierzigjähriger geschaut hat.
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