Max Blaeulich

Gatterbauerzwei oder Europa überleben

Roman
Cover: Gatterbauerzwei oder Europa überleben
Residenz Verlag, St. Pölten 2006
ISBN 9783701714513
Gebunden, 336 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Als Sklave nach Europa verschleppt, Mitbringsel einer Afrika-Expedition, sucht Gatterbauerzwei, neben Alois Gatterbauer zweiter Diener seines Herrn, seine Heimat Uganda. Er landet über Um- und Irrwege in Ungarn, geht vor die Hunde, wird schließlich aufgegriffen und soll im Haus des Grafen Pallavicini zum kultivierten katholisch bekehrten Salondiener gemacht werden. Er lernt schnell, Umgangsformen, Kellnern, Deutsch, aber er lernt vor allem eines: zu hassen. Als in Serbien Thronfolger Franz Ferdinand ermordet wird und der Erste Weltkrieg losbricht, ist er auf seine neue Rolle gut vorbereitet: Er zieht in den Krieg für einen fremden Kaiser, einen fremden Gott, ein fremdes Vaterland. Wie überlebt man Europa, den wilden Kontinent, den permanenten Krieg im Herzen der Finsternis? Und was bedeutet Menschlichkeit, wo der Mensch nichts weiter ist als ein Spielball fremder Mächte, Sklave, Soldat, Schauobjekt, Lustobjekt, Ware?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.10.2006

Zwischen "Salongeplauder und Wirtshausgegröle" siedelt Rezensent Leopold Feldmair den Erzählgestus des neuen Romans von Max Blaeulichs an, den er zum zeitgenössischen Verwandten von Gogol, Canetti und Gombrowicz erhebt Den titelgebenden Protagonisten dieser Groteske stellt er als "baumlangen Schwarzen aus Uganda" vor, den er bereits im Vorgängerbuch "Kilimandscharo zweimeteracht" kennen gelernt hat. Dieser Gatterbauzwei richtet, wie wir lesen, sein ganzes Streben darauf, das grässliche 20. Jahrhundert "als edler Wilder" zu überleben. Die als grelle Groteske charakterisierte Geschichte spielt in einem nicht ganz geklärten Zeitraum vor dem Zweiten Weltkrieg, und der Rezensent sieht die "monströse" Handlung eine Menge barocker Blüten treiben. Feldmair spricht auch von einer "monströsen Erzählstruktur", die er für das gewaltvolle 20. Jahrhundert aber als angemessen empfindet. Dem Autor bescheinigt er eine "mächtige Fantasie". Nur gelegentlich scheint sie eine Spur zu übermächtig zu werden.
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