Donald Trump stellt alles auf den Kopf. Er zerbricht das sorgsam zusammengesetzte Puzzle der Geopolitik und teilt es wieder in Einflussbereiche auf, in denen starke Mächte das Sagen haben: USA, Russland, China. Der "neue Sheriff in der Stadt" setzt seine Macht nicht dafür ein, das Gesetz zu schützen, sondern egoistische Interessen zu verfolgen. Es ist offensichtlich: Europa stört bei dieser Neuvermessung und Neuordnung der Welt, weshalb der US-Präsident die EU - potenziell ein Konkurrent - am liebsten zerbrochen sähe. Auch die Nato, das Verteidigungsbündnis, das über Jahrzehnte zusammen mit der Europäischen Union (EU) rund um den Atlantik (weitgehend) für Frieden gesorgt hat, scheint in Washington zur Disposition zu stehen. Und doch: Dieses Weltbeben ist eine große Chance für Europa, das zuletzt sehr an Strahlkraft verloren hat. Trotz all den Rupturen sollte Europa seinen Werten treu bleiben, die mit den Interessen des globalen Südens bestens harmonieren könnten - sofern es noch darum gehen soll, eine gerechte Welt zu bauen und einen nachhaltigen Planeten zu schaffen, wie es die G20 anstreben. Gerecht wäre, die UN zugunsten der Länder des "globalen Südens" zu renovieren, auch wenn es Europa etwas kostet. In der neuen Systemkonkurrenz zu den USA liegt die Chance, für unsere Werte zu werben und sie auf respektvolle Weise als Alternative anzubieten. Dabei müssen wir diese Werte natürlich auch selbst konsequent leben, statt Doppelstandards zu zeigen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.11.2025
Rezensent Tanjev Schultz liest den von Martin Kobler zusammen mit Peter Köpf verfassten Band mit Interesse. Die Sicht des Diplomaten Kobler auf eine Weltordnung im Wandel erscheint ihm wertvoll, weil der Autor nicht nur die kritische Lage nüchtern einschätzt und sich über die Aufrüstung und eine um sich greifende Doppelmoral sorgt, sondern eigene Erfahrungen zum besten gibt, etwa mit Arafat, um die Bedeutung von Dialog und diplomatischem Fingerspitzengefühl in Konflikten hervorzuheben. Die vielen Geschichten aus Libyen, Ruanda oder Pakistan und die mannigfachen Ideen und Visionen des Autors geben dem Buch laut Schultz eine hoffnungsvolle Note.
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