Martin Doerry

Nirgendwo und überall zu Hause

Gespräche mit Überlebenden des Holocaust
Cover: Nirgendwo und überall zu Hause
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2006
ISBN 9783421042071
Gebunden, 262 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

In den vergangenen Jahren reiste Martin Doerry quer durch Europa und Amerika, um mit Menschen zu sprechen, die der Vernichtung durch die Nationalsozialisten knapp entkommen sind. Sie gehören zu den letzten Repräsentanten einer untergegangenen Welt des europäischen Judentums, und sie legen hier Zeugnis ab über ihre Geschichte, ihren Kampf ums Überleben und darüber, was es für sie bedeutet, Jude zu sein. Die Fotografin Monika Zucht begleitet die Texte mit Schwarzweiß-Porträts.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.04.2007

Bedeutend scheinen Martinus Schmidt diese Gespräche mit Überlebenden des Holocaust, die Martin Doerry geführt hat. Wie er berichtet, hat der Autor unter anderem Ruth Klüger, Alfred Grosser, Saul Friedländer, Eli Wiesel, Heinz Berggruen und viele andere Davongekommene seit 1985 nach ihren Erlebnissen befragt. Die nun vorliegenden 24 Gespräche führen für Schmidt den Schrecken der Vergangenheit, der Diskriminierung und Ausgrenzung, Deportation und industriell ausgeübten Massenmord im Dritten Reich eindringlich vor Augen. Die Gespräche vermitteln seines Erachtens, wie gegenwärtig für die Befragten, die allesamt Familienmitglieder in den Vernichtungslagern verloren, noch heute die Erinnerung, der Schmerz und die Verbitterung ist. Sein Resümee: von solchen Büchern gibt es "nie genug".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2006

Dem Buch wünscht Eberhard Rathgeb viele (vor allem junge) Leser. Sichtlich dankbar für die Anstrengung Martin Doerrys, sich dem Ungeheuerlichen genähert zu haben, lobt Rathgeb die Klarheit und den Ernst des Fragenden wie der antwortenden Überlebenden (Imre Kertesz, Heinz Berggruen, Saul Friedländer u. a.). "Schwere Sätze" fördern die 24 Gespräche zutage, viel schwerer, meint der Rezensent, "als die Fragen sein können" und derart, dass der Fragende manchmal irritiert ist. Und der Leser wohl auch. Eben dies, scheint Rathgeb zu denken, ist auch das Verdienst des Buches.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.08.2006

Große Überzeugungskraft bescheinigt Rezensent Dorion Weickmann dieser Interviewsammlung mit Überlebenden des Holocaust. Martin Doerry und seine Kollegen zeichnen sich für Weickmann darin durch die gleiche Mischung aus Zurückhaltung und Vertraulichkeit aus, der schon Doerrys Buch über Leben und Tod seiner jüdischen Großmutter Lilli Jahn seine Qualität verdankt. Auch Monika Zuchts Fotografien beeindrucken ihn mit einer "unvergleichlichen Gabe des Augenblicks". Ein gewichtiger Einwand besteht allerdings in der Feststellung, der Band lasse nur jene Überlebenden zu Wort kommen, die nicht zerbrochen wären. Viele der Interviewten hätten zudem bereits "ausführlich und öffentlich" Zeugnis abgelegt, darunter Eli Wiesel, Imre Kertesz, Ruth Klüger oder Saul Friedländer. Da aber die Stimmen derer, die der "Wahn" der Nazis für immer versehrt und zerstört habe, im Buch fehlten, überwiege ein "versöhnlicher Gestus", eine "wie auch immer verschlungene Normalität", die das "Scheitern der Anderen, der Nochunglücklicheren" quasi ausblende.

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