Klappentext

Charlotte Knobloch, ehemals Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, zieht Bilanz ihres bisherigen Lebens: Das sind acht Jahrzehnte wechselvoller deutsch-jüdischer Geschichte und Gegenwart. Nicht stehen bleiben! - schärfte der Vater seiner sechsjährigen Tochter Charlotte ein, als sie am Abend der Reichspogromnacht durch ihre Heimatstadt München irren. Das Mädchen überlebt die Nazi-Zeit im Versteck bei fränkischen Bauern. 1945 kommt sie nach München zurück. Mit nur einem Wunsch: möglichst rasch der Stadt und Deutschland den Rücken zu kehren. Sechzig Jahre später ist Charlotte Knobloch angekommen, kann sie ihr Lebenswerk einweihen: das neue Jüdische Gemeindezentrum und die Synagoge im Herzen Münchens. Nach Jahren des Zweifels, der Hoffnung und Annäherung hat sie nahezu im Alleingang diesen Traum verwirklicht: die Jüdische Gemeinschaft in die Mitte der Stadt und der Gesellschaft zurückzubringen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2013

Beeindruckt hat Clemens Vollnhals dieses Buch von Charlotte Knobloch gelesen, das ihm die Lebensgeschichte der früheren Zentralratsvorsitzenden nahebringt. 1932 als Tochter des Anwalts Fritz Neuland geboren, wuchs sie bei dem Vater und der Großmutter auf, denn ihre eigene Mutter hatte offenbar vor den offenbar den antisemitischen Anfeindungen kapituliert und die Familie 1937 verlassen. 1942 wurde die Zehnjährige von einem ehemaligen Dienstmädchen, Kreszentia Hummel, aufgenommen und als ihr uneheliches Kind ausgegeben, wie Vollnhals bewegt nacherzählt. Auch dass Charlotte Knobloch nach dem überlebten Holocaust in München blieb und dort wie auch ihr Vater am Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde mitwirkte, ringt ihm großen Respekt ab. Trotzdem bedauert er, dass sie sich nicht zu internen Fragen der Gemeinde äußert, etwa zur schwierigen Integration der russischen Zuwanderer oder Konflikten zwischen orthodoxen und liberalen Juden.
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