Markus Krischer

Kinderhaus

Leben und Ermordung des Mädchens Edith Hecht
Cover: Kinderhaus
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2006
ISBN 9783421059338
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Edith Hecht wurde 1944 ermordet, ohne ein Wort gesprochen zu haben. Sie war eines von mehr als dreihundert behinderten Kindern, die zwischen 1940 und 1945 in der Nähe Münchens vergiftet wurden. Insgesamt fielen allein in Bayern 20000 kranke Menschen der Euthanasie zum Opfer. Nach dem Krieg wurde kaum einer der Täter zur Verantwortung gezogen. Man breitete einen Mantel des Schweigens über dieses furchtbare Kapitel. Der Journalist Markus Krischer arbeitete zwölf Jahre lang an diesem Fall, recherchierte in Archiven und befragte die letzten Zeitzeugen. Er rekonstruiert die Zusammenhänge, nennt die Namen, porträtiert Opfer und Täter: Edith Hecht und die verzweifelt um das Leben ihrer Tochter kämpfenden Eltern. Der Kriegsinvalide Max Gaum, der seinen eigenen Tod herbeisehnte und die Ermordung von Tausenden organisierte. Der spätere Präsident der Bundesärztekammer Hans Joachim Sewering, der als junger Arzt angeblich ahnungslos war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2007

Es ist an der Zeit, findet der Rezensent Reiner Pommerin, auch das gegen Behinderte gerichtete Euthanasieprogramm des Dritten Reichs wissenschaftlich ausführlich zu untersuchen. Genau dies unternimmt Markus Krischer, und zwar in der präzisen Analyse eines Einzelfalls. Rekonstruiert werden aus Archivmaterial, aber auch in Gesprächen mit Angehörigen und Beteiligten, Leben und Sterben der 1931 geborenen, 1944 ermordeten Edith Hecht. Wie das Unfassbare möglich war, ist die Frage, die den Autor leitet, so der Rezensent. Anlass für weitere Forschung sollte, findet Pommerin, die Erkenntnis sein, dass nachdem das offizielle Euthanasie-Programm unter dem Decknamen T 4 1941 auslief, mit dezentral und vor Ort getroffenen Entscheidungen weiter gemordet wurde. Es stellt sich - wieder einmal - heraus, dass die als Ärzte und Betreuer Beteiligten im Alltag keine Unmenschen waren, sondern "normale Familienväter". Und es zeigt sich - ebenfalls ein vertrautes Muster - dass die Mörder im Nachkriegsdeutschland nicht zur Verantwortung gezogen wurden.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Stichwörter

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…