Marko Martin

Die verdrängte Zeit

Vom Verschwinden und Entdecken der Kultur im Osten
Cover: Die verdrängte Zeit
Tropen Verlag, Stuttgart 2020
ISBN 9783608504729
Gebunden, 426 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Weshalb ist die Erinnerung an die Kultur des Ostens stets zwischen politisierender Analyse oder apolitischer Ostalgie gefangen? Marko Martin entdeckt die ostdeutsche Avantgarde neu und zeigt, was sie uns heute noch alles sagen kann.Die Beschäftigung mit der DDR-Vergangenheit scheint rettungslos zwischen Floskeln eingeklemmt. Weshalb finden sich die, die 89/90 den Umbruch mitgestaltet haben, mit ihren Jugendlektüren, intellektuellen Prägungen oder Musikvorlieben heute beinahe in einer Art bezugsloser terra incognita, während doch gleichzeitig westliche 68er-Erlebnisse längst ins kollektive Gedächtnis eingegangen sind?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2020

Rezensent Stefan Locke taucht mit Marko Martin ein in die kulturelle Vielstimmigkeit der DDR. Nicht staatstragende Literatur, Kino, Musik lässt der Autor Revue passieren, laut Martin erfrischend frei von Nostalgie und Anklage. Die Geschichten, die der Autor zu Werken und Künstlern zu erzählen hat, machen Martin schmerzlich bewusst, mit welchem Verlust man es eigentlich zu tun hat, wenn wieder einmal vom "DDR-Winnetou" oder vom "Dieter Hildebrandt des Ostens" die Rede ist. Martins Wissen und Entdeckerfreude lassen Locke staunen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.10.2020

Rezensent Alexander Cammann freut sich über Marko Martins locker schweifenden Rückblick auf DDR-Kultur. Was der Autor über Paul und Paula, Gojko Mitic oder Reiner Kunze berichtet, weckt in Cammann Erinnerungen und wühlt Vergessenes auf. Dass Martin keine "moralistischen Scheuklappen" auf hat und lustvoll der Vielstimmigkeit der DDR lauscht, zur Not auch via Stasi-Protokoll bis in Biermanns Butze, findet Cammann gut, das Ergebnis lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.10.2020

Rezensentin Marlen Hobrack freut sich über Marko Martins anklagefreie Erinnerung an die kulturellen Leistungen der DDR in Literatur, Film, Popkultur, bildender Kunst. Dass der Autor ohne Bitterkeit an Protestnischen-Kunst zurückdenkt und die Frage stellt, warum ein Werner Tübke nicht auch im Westen groß berühmt werden konnte, findet Hobrack lesenswert. Schöne Privatanekdoten über Literaturdiskussionen zieren das Buch laut Hobrack ebenso wie hintergründiger Witz. Über das ein oder andere Lektoratsversäumnis sieht sie dafür großzügig hinweg.

Beliebte Bücher

Anne Carson. Rot - Zwei Romane in Versen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2019.Anne Carson: Rot
Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt…
Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Anne Carson. Der bittersüße Eros. Turia und Kant Verlag, Wien, 2020.Anne Carson: Der bittersüße Eros
Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…