Norbert F. Pötzl

Das Schattenreich des Alexander Schalck-Golodkowski

Vom Entstehen und Verschwinden der DDR-Milliarden
Cover: Das Schattenreich des Alexander Schalck-Golodkowski
Europa Verlag, München 2025
ISBN 9783958906273
Gebunden, 288 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Kaum jemand in der DDR kannte ihn, obwohl er einer der mächtigsten Politiker des Landes war. Und nicht einmal in höchsten SED-Kreisen wusste man von den Geschäften, die er betrieb, obschon der von ihm geleitete "Bereich Kommerzielle Koordinierung", kurz KoKo, die DDR wirtschaftlich viele Jahre am Leben hielt. Formal war Alexander Schalck-Golodkowski nur Staatssekretär im Ostberliner Ministerium für Außenhandel, tatsächlich führte er ein weit verzweigtes kapitalistisches Firmenimperium, das die DDR mit Devisen versorgte. Als im Herbst 1989, nach dem Sturz Erich Honeckers, ans Licht kam, dass KoKo international mit Waffen gehandelt, geraubte Kunstwerke verhökert und die Bonzensiedlung Wandlitz mit westlichen Luxusgütern versorgt hatte, wurde Schalck zur Hassfigur der Bevölkerung und zum Sündenbock der neuen SED-Führung. Vor der drohenden Verhaftung floh er in die Bundesrepublik und vertraute sich dem Bundesnachrichtendienst an. Um Alexander Schalck-Golodkowski rankt sich ein realer Politthriller, der bis heute nicht vollständig aufgeklärt ist. Viele Fragen sind immer noch offen. Zum Beispiel: Welche Verbindungen bestanden zwischen Schalck und westdeutschen Politikern, namentlich dem damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble? Welche Zusagen hatte Schalck vor seiner Flucht erhalten? Wie zeigte sich der Bundesnachrichtendienst für Schalcks Offenbarungen erkenntlich? Warum kam Schalck praktisch straffrei davon?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.09.2025

Eine gute Darstellung des Wirkens Alexander Schalck-Golodkowskis und der von ihm geleiteten Kommerziellen Koordinierung (KoKo) liefert Norbert F. Pötzl hier ab, so Rezensent Jens Rosbach. Pötzls Rezension besteht vor allem aus einer Rekonstruktion des Wirkungsfeldes der KoKo, die im Auftrag der DDR-Führung Waffengeschäfte tätigte, die SED-Chefs mit Luxusgütern und Pornos versorgte und politische Gefangene an den Westen verscherbelte. Das Buch geht auch auf die Frühphase der Organisation ein, die schon in den 1950ern gegründet und zunächst von Berufskriminellen geleitet, 1966 dann Schalck-Golodkowski unterstellt wurde, die Verbindungen zu West-Politikern wie Franz-Josef Strauss kommen vor, ebenso verschwundene KoKo-Gelder nach der Wende. Neue Erkenntnisse, stellt Rosbach klar, enthält diese Auflistung krummer DDR-Geschichten eher nicht, aber das bereits Bekannte wird hier erstklassig, fast schon krimimäßig aufgearbeitet, lobt der Rezensent abschließend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.05.2025

Einer faszinierenden Figur widmet sich Norbert F. Pötzl in seinem neuen Buch, so Rezensent Ralf Husemann: Alexander Schalck-Golodkowski war gleichzeitig glühender Anhänger des realsozialistischen Experiments namens DDR und mit allen kapitalistischen Wassern gewaschen. Die Rezension beschränkt sich in erster Linie auf eine Rekapitulation - entlang der Lektüre - von Schalck-Golodkowskis Tätigkeit als Leiter der "Kommerziellen Koordinierung", mit deren Hilfe die DDR ihrer ökonomischen Unprofitabilität beizukommen hoffte. Schalck-Golodkowski waren dabei alle Mittel recht, inklusive mafiaartiger Geheimkonten und Waffenhandel, auch die Freilassung politischer Häftlinge ließ sich die DDR teuer bezahlen. Weiterhin geht Pötzl laut Husemann unter anderem auf das gute Verhältnis des DDR-Mannes zu Franz Josef Strauß ein, wobei der Autor nicht eine Person fand, der mit ihm über Schalck-Golodkowski reden wollte, weshalb er sich auf die Durchsicht von Archiven und Akten beschränken musste. Der Rezensent hält sich in seiner Besprechung mit Werturteilen zurück, scheint das Buch aber mit Gewinn gelesen zu haben.

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