"Das Haus in Habana" ist keine der üblichen Abrechnungen mit Kuba. Marko Martin kennt die Region seit langem und ist deshalb keineswegs naiv "enttäuscht" von dortiger Realität. Schriftsteller
freunde und aus Cuba vertriebene regimekritische Intellektuelle hatten ihn bereits zuvor auf hoch ambivalente Erfahrungen eingestimmt. Doch nicht auf dieses Ausmaß. Denn auf seiner ersten Kuba-Reise gerät das bisherige Koordinatensystem bald ins Wanken: Wem kann er trauen, was verbirgt sich hinter (verborgenen) Absichten, wo endet tropische Lebensfreude und beginnt politische Existenzangst, wie vermischt sich beides im Gespräch, ja selbst in der Sexualität? Und wie nimmt er, einst als Kriegsdienstverweigerer aus der DDR ausgereist, die letzte Diktatur in der Karibik wahr, die nun in einen partei-gelenkten Frühkapitalismus hineinstolpert?
"Das Haus in Habana" scheint nämlich (ähnlich wie "Das Haus in Montevideo") eine Art Bordell zu sein - und das Nachbarhaus die Stasizentrale des Viertels. Martins Buch ist deshalb auch Hommage auf Guillermo Cabrera Infantes legendären Roman "Drei traurige
Tiger", der auf Kuba bis heute verboten ist.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.03.2019
"Das Haus in Habana" ist kein Reiserapport, wie auf der Titelseite behauptet wird, meint Rezensentin Nora Voit. Und Marko Martin ist auch kein Berichterstatter, sondern viel eher ein neugieriger, aufgeschlossener Kundschafter der Außen- und Innenwelt, ein hartnäckiger Interviewer seiner Selbst, ein Tourist tropischer Inselwelten und "eigener Befindlichkeiten" zugleich, findet Voit. Der Text dient ihm als Medium der Zwiesprache mit sich selbst und wird somit zum autobiografischen Bewusstseinstrom. Klar, ehrlich und genussvoll erzähle er darin von der kubanischen Hitze, dem Meer, von Museumsbesuchen und sexuellen Begegnungen, von der Unsicherheit, wie viel man in einem repressiven System wie dem kubanischen sagen darf und wem man sich anvertrauen kann. Gemeinplätze gibt es hier keine, nur sehr viel subjektive, authentische Erfahrung. Voit hätte sich lediglich an einigen Stellen gewünscht, dass irgendwer Martins Wortfluss und die teils übersprudelnden Adjektive ein klein wenig "eindämmt".
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