Abilio Estevez

Ferne Paläste

Roman
Cover: Ferne Paläste
Luchterhand Literaturverlag, München 2004
ISBN 9783630871677
Gebunden, 304 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Vor langer Zeit mag das Haus, in dem Victorio wohnt, ein Palast gewesen sein. Jetzt wird es eingerissen, bevor es von selbst zusammenfällt, und Victorio beginnt ein Leben als Vagabund in den Straßen von Havanna, die von Gewalt und Elend beherrscht sind. Immer wird er vertrieben von seinen Zufluchtsorten, bis er ein kleines Theater findet, das Don Fuco in Beschlag genommen hat, der altgewordene Clown, den er schon einige Male auf den Dächern der Stadt gesehen hat, wo er die einfachen Leute zum Lachen bringt, oder auf Beerdigungen, wenn er versucht, Trost zu spenden. Allmählich findet Victorio heraus, was es mit Don Fucos Theater auf sich hat: Überall stößt er auf die Spuren von Havannas einstigem Glanz, hier die Garderobe von Enrico Caruso, dort ein Requisit der Bernhardt, dort ein untrüglicher Beweis dafür, daß die Callas eben doch einmal in Havanna war. Selma, eine junge Prostituierte, gesellt sich zu den beiden, und gemeinsam entdecken sie, daß das Theater auch Bilder aus ihrem eigenen Leben bereithält, Gelegenheiten, Versäumtes nachzuholen und sich mit Verdrängtem zu versöhnen: ein Zauberort.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.08.2005

Nico Bleutge wirkt, man kann es nicht anders sagen, verzaubert von Estevez' Havanna-Roman. Und folgt man seiner Beschreibung des Buches mit seinen "metamorphotischen Sprachwelten" und seinem "phantasmagorischen Gefüge", kann es auch gar nicht anders sein. Der Leser folgt dem Vagabunden Victorio durch Havanna und wird Zeuge seiner Begegnungen mit einer Hure und einem Clown, wobei der Blick durch den ständig wiederkehrenden Staub verschleiert werde. Zudem spiegelten sich die "rätselhaften und verschlungenen" Wege des Protagonisten in den kleinen Dialogen, Bildern und Skizzen, aus denen der Roman besteht, so dass die Grenze zwischen Realität und Fiktion beständig verschwimme. Das Ganze sei außerdem von der Übersetzerin Susanne Lange hervorragend "in ein geschmeidiges Deutsch" übertragen worden, lobt der ohnehin verzückte Rezensent freudig.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2005

Die Kubaner seien ein lesefreudiges Volk, behauptet Walter Haubrich und erklärt diesen Umstand mit der relativen Isolation der Insel. Kuba besitze auch eine große literarische Tradition, die sehr europäisch orientiert sei. Praktisch gesehen sei es für dortige Schriftsteller aber immer noch schwierig zu publizieren: zum einen wegen der Zensur, zum anderen schlicht aus Papiermangel. Autoren wie Abilio Estevez wichen darum seit einiger Zeit nach Spanien aus, wo Estevez' Romane zuerst publiziert wurden. Haubrich möchte Estevez scharf gegen so populäre, marktkonforme Autoren wie Zoe Valdes oder Pedro Juan Gutierrez abgrenzen; Estevez sei ein eher stiller Autor, der sehr variationsreich in einem "sehr klangvollen Spanisch" schreibe, das Susanne Lange im übrigen hervorragend ins Deutsche übertragen habe. Im Mittelpunkt von "Ferne Paläste" stehe die Stadt Havanna selbst, das so gespensterhaft verfallen sei, dessen verrottete "ferne" Paläste aber so viele interessante Geschichten bürgen. Dieses Havanna-Proträt sei nur auf den ersten Blick unpolitisch, so Haubrich, dahinter stehe eine scharfe Kritik an der Regierung Castro und dem langen Siechtum der kubanischen Revolution.
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