Mark Mazower

Die Welt regieren

Eine Idee und ihre Geschichte von 1815 bis heute
Cover: Die Welt regieren
C. H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406648694
Gebunden, 464 Seiten, 27,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Ulla Höber und und Karin Wördemann. Mark Mazowers Buch schildert das konfliktreiche Wechselspiel von völkerrechtlicher Idee und faktischen Machtverhältnissen seit 1815, als eine europäische Koalition versuchte, die napoleonische Machtausdehnung einzudämmen. Internationale Institutionen mit eigenen Machtbefugnissen wurden geschaffen, nach dem Ersten Weltkrieg der Völkerbund, nach dem Zweiten Weltkrieg die Vereinten Nationen. Aber es zeigte sich rasch, dass diese Institutionen nicht mehr Handlungsspielraum hatten, als ihnen die jeweiligen nationalen Supermächte zugestanden. Waren die United Nations in den 1960er Jahren noch eine nützliche Ergänzung der amerikanischen Dominanz, verschoben sich die Gewichte spätestens seit den 1980er Jahren auf andere internationale Institute wie Weltbank und IWF, wobei zunehmend die Etablierung eines Weltmarkts und nicht mehr die Konsensbildung unter demokratisch gewählten Regierungen im Vordergrund stand. Heute ist die Umsetzbarkeit der Idee einer Völkergemeinschaft ungewisser denn je - aber ist es in den letzten zweihundert Jahren je anders gewesen?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2013

Das Buch des Historikers Mark Mazower "Die Welt regieren" ist eines jener seltenen und kostbaren Werke, die einem die Welt ein wenig verständlicher machen, ohne vereinfachenden Ideologien oder auch nur einem unhinterfragten Moralismus zu verfallen, lobt Elisabeth von Thadden in ihrer sehr lesenswerten Rezension. Die Fragen, an denen sich Mazower ausgehend vom Wiener Kongress 1815 bis in die Gegenwart hangelt, lauten grob: was hat es mit der Idee der Regierbarkeit der Welt auf sich? Wie hat sie das Institutionengefüge der Welt beeinflusst? Und welche Konsequenzen haben sich daraus ergeben, beabsichtigte wie unbeabsichtigte?, fasst die Rezensentin zusammen. Zentrale Konflikte sieht Mazower zum Beispiel im Verhältnis von nationaler Macht und internationalen Institutionen oder zwischen Interessen und übergeordneten Werten, die in der Praxis zu zahlreichen Widersprüchen führen und selten eindeutige Urteile zulassen, erklärt von Thadden, die nach der Lektüre Konflikte wie den in Syrien mit anderen Augen sieht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.09.2013

Einen etwas zwiespältigen Eindruck hat Mark Mazowers Geschichte der Idee einer internationalen Völkergemeinschaft bei Felix Ekardt hinterlassen. Er schätzt das Buch des Historikers als materialreich und gut lesbar. Die großen Debatten, die in den letzten beiden Jahrhunderten um Themen wie internationale Zusammenarbeit, die Idee eines Weltstaats und die Globalisierung geführt wurden, scheinen ihm darin solide zusammengefasst. Allerdings wird der Kenner der Materie nach seiner Einschätzung in dem Werk kaum Neues finden. Zudem moniert Ekardt eine Reihe von Ungenauigkeiten und Fehlern, zum Beispiel wenn der Autor das Verhältnis von Mitgliedstaaten und EU nicht korrekt darstellt. Außerdem vermisst er tiefergehende Analysen und Diskussionen der aktuell dringlichen globalen Fragen: etwa über die ökonomischen und sozialen Auswirkungen des globalen Freihandels oder des Klimawandels. Als guten Einstieg in die Debattengeschichte des Internationalismus kann er das Buch empfehlen, für eine vertiefende Behandlung der Thematik muss der Leser allerdings auf andere Werke zurückgreifen.