Mario Vargas Llosa

Die Sprache der Leidenschaft

Cover: Die Sprache der Leidenschaft
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am main 2002
ISBN 9783518413616
Kartoniert, 308 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Ulrich Kunzmann. Mit 14 Jahren veröffentlichte Mario Vargas Llosa seinen ersten Artikel, und seitdem ist er als Redakteur, Reporter und Kolumnist dem Journalismus verbunden geblieben. Zu ihm bekennt er sich als dem "treuen Schatten" seiner schriftstellerischen Arbeit - ein glanzvoller Schatten, nach diesem Buch zu urteilen. Eindringlich zeigen die Texte, die er zwischen 1992 und 2000 für El Pais geschrieben hat, das Interesse und Engagement des Romanciers für bedeutende und beunruhigende, doch auch für amüsante und skurrile Zeitereignisse: vom Karneval in Rio bis zur Intifada in Hebron, Probleme der Dritten und der Ersten Welt, die Debatte über Sterbehilfe und der Selbstmord der venezolanischen Nation, das elisabethanische Theater oder die Malerei der Impressionisten, die französische Hochkultur ebenso wie eine herzergreifende englische Trivialautorin...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2003

Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa ist nicht erst seit seiner Präsidentschaftskandidatur im Jahr 1990 ein Mann der öffentlichen politischen Äußerung, versichert Walter Haubrich. Selbst seine 14-tägigen Kolumnen für die Madrider Tageszeitung "El Pais" würden im gesamten hispanoamerikanischen Raum nachgedruckt. Die besprochene deutsche Textsammlung folgt einer vom Autor persönlich getroffenen Auswahl dieser Artikel aus den Jahren 1992 bis 2000. Ein bisschen scheint Haubrich die verlegerische Gefolgsamkeit zu bedauern, wenn er beklagt, dass Llosas schöner Essay über Berlin nicht im Band enthalten sei. Stattdessen habe sich der Autor auf allgemeinere Themen in Politik, Kunst und Literatur konzentriert; er reflektiere die Funktion des Schriftstellers als öffentliches Gewissen oder nehme die Lektüre eines Buches zum Ausgangspunkt, um sie mit persönlichen Erlebnissen und Reflexionen anzureichern. Am gelungensten erscheinen Haubrich die Porträts von Octavio Paz und Nelson Mandela.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2003

Mario Vargas Llosas "Die Sprache der Leidenschaft", eine Sammlung von Artikeln, die zwischen 1992 und 2000 in der spanischen Tageszeitung "El País" erschienen sind, hat Rezensent Georg Sütterlin vollauf überzeugt. Schon in den drei dicken Bänden "Gegen Wind und Wellen" mit journalistischen Texten der Jahre 1962 bis 1988 erwies sich Vargas Llosa, der mit seinen Romanen berühmt wurde, nach Ansicht Sütterlins als "leidenschaftlicher Analytiker des politischen Geschehens, neugieriger Kommentator des gesellschaftlichen Lebens, und wohl informierter Beobachter des literarischen und künstlerischen Lebens." Auch bei den neuen Aufsätzen, die neben der Literatur und der Kunst vor allem der Politik gewidmet sind, treten diese Vorzüge zur Freude Sütterlins zutage. Ob von Dekonstruktivismus oder von Venezuela, Italien, Israel, Südafrika, von Migration oder Entwicklungshilfe die Rede sei: Vargas Llosas Aufsätze seien von einem Ernst geprägt, der sie relativierender Vagheit enthebe, lobt Sütterlin. Ironie sei häufig, Sarkasmus komme dagegen nur dosiert zum Einsatz, etwa gegen gewisse billige Provokationen zeitgenössischer Künstler.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2002

Hier gibt's vom großen peruanischen Romancier zur Abwechslung mal Essays, oder genauer "Kommentare, Plädoyers, Rezensionen" und was der journalistischen Kleinformen mehr sind. Verfasst hat Vargas Llosa die Texte zwischen 1992 und 2000, erschienen sind sie zunächst in der Madrider Zeitung El Pais. Es geht in den Aufsätzen, wie könnte es anders sein, einerseits vor allem um Schriftsteller und Künstler - von V.S. Naipaul bis Frida Kahlo, von Claude Monet bis Octavio Paz -, zum anderen aber auch um die politischen Überzeugungen des Autors. Die politischen Interventionen sind stets im Geiste des Liberalismus gehalten, was zum einen heißt, dass es mit Feuereifer gegen Fidel Castro geht, dazu gehören aber auch die für den Geschmack des Rezensenten Eberhard Falcke allzu häufig vorgetragenen und von keinem Zweifel angekränkelten Plädoyers für radikalen Marktliberalismus. Diese Minuspunkte aber gleicht Vargas Llosa, da ist Falcke ganz eindeutig, allemal mit seinen Schriften über Menschen wieder aus. Und überhaupt gilt für alle der versammelten Texte, dass sie rettend "überglänzt" sind "vom Geist und Gestus des Essayistischen".
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