Der Schauspieler Mario Adorf ist seit vielen Jahren auch ein erfolgreicher und viel gelesener Schriftsteller. Aber lange hat Mario Adorf gezögert, ein autobiograpfsches Buch zu schreiben. "Himmel und Erde" ist ein Buch der Erinnerungen an ein unvergleichliches Leben zwischen den Tagen der Kindheit in einem kleinen Eifelstädtchen und der großen Welt des internationalen Films. Geschichten auf Geschichten rollen vor dem Leser ab, in denen sich das Nebensächliche und Zufällige oft als wichtiger entpuppt als die Darstellung "offizieller" Lebensabschnitte und Karrierehöhepunkte. Und als unterhaltsamer sowieso. Das uneheliche Kind zwischen katholischen Nonnen und der Hitlerjugend, illegales Schweineschlachten in den Kriegsnächten, und: Was tun, wenn man 1944 als deutscher Junge im Wald plötzlich zwei amerikanischen Bomberpiloten gegenübersteht?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2004
Geradezu glänzend erzählt findet Hans-Dieter Seidel die ersten achtzig Seiten der Autobiografie des Schauspielers Mario Adorf. Atmosphärisch dicht und ohne auf irgendwelche Pointen zu schielen, tauche Adorf bewusst in die "unordentlichen Erinnerungen" seiner Kinder- und Jugendjahre ein, lobt Seidel, und negiere dabei nicht die ambivalenten Irrungen und Wirrungen, die er durch Waisenhaus, Kirche, Eifel-Dorf, Hitler-Jugend erfahren hat. So richtig erklären kann sich Seidel den Bruch nicht, der für ihn nach etwa 80 Seiten Lektüre stattfindet. Einziger Anhaltspunkt für ihn ist, dass Adorf zunehmend zum Schauspieler wird und das liefert, was man von einem Schauspieler erwartet: Anekdoten aus dem Theaterbetrieb und Filmgeschäft. Adorfs Ton wird ab einem bestimmten Punkt immer plaudriger, stellt Seidel leicht ermüdet fest, doch fehle ihm nie das nötige Quentchen Selbstironie, das seine Erinnerungen immer noch lesenswert mache.
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