In neuer Übersetzung und mit einem Nachwort des Lyrikers und Slawisten Hendrik Jackson versammelt der Band die beiden bedeutendsten und umfangreichsten Liebespoeme von Marina Zwetajewa. Geht es beim Neujahrsbrief um die doch eher platonische, wenn auch leidenschaftliche Liebe von Dichterin zu Dichter (Zwetajewa und Rilke), geht es nicht zuletzt um Tod bzw. Nicht-Tod, um Jenseits und Gespräch mit dem Nicht-Hiesigen oder Unsichtbaren, so basiert das Poem vom Ende auf einer leidenschaftlichen, vor allem aber auch körperlichen, ganz und gar "hiesigen" Liebe. Der Neujahrsbrief ist der reflexivere, gedanklichere, gehaltvollere Text, aber das Poem vom Ende steckt dafür voller Sinnlichkeit, voller unglaublich treffender Situationen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.04.2003
Tobias Lehmkuhl ist hingerissen von dieser Neuübersetzung zweier Langgedichte Marina Zwetajewas, die für den Rezensenten das von Hans Magnus Enzensberger aufgestellte Diktum erfüllen, übersetzte Poesie müsse selbst Poesie sein. Lehmkuhl stellt sogar Übersetzungsvergleiche an und kommt zu dem Schluss, mit Hendrik Jackson sei ein "Liebender am Werk", denn bei ihm stimmten Rhythmus, Register, einfach alles. Das "Poem vom Ende" und der "Neujahrsbrief" seien Liebesgedichte, die nicht von Erfüllung, sondern Trennungsschmerz, Liebesleid und Trauer handelten, erklärt Lehmkuhl den Entstehungshintergrund der Gedichte; das "Poem vom Ende" entstand 1924 nach einer heftigen Affäre, der "Neujahrsbrief" ist eine Reaktion auf die Nachricht vom Tod Rainer Maria Rilkes, mit dem Zwetajewa eine innige Korrespondenz führte. Die Dichterin lebte mit einer seltenen Unbedingtheit in der Welt der Poesie, schreibt Lehmkuhl weiter, sie forderte das Potential der Sprache radikal heraus, mit harter Rhythmik, einer verbarmen Syntax und einem komplexen Klangbild, vom Übersetzer zur "halsbrecherischen Sprache" deklariert, die ihm zumindest nicht den Hals gebrochen zu haben scheint.
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