Marilynne Robinson

Lila

Gilead-Trilogie, Band 3. Roman
Cover: Lila
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015
ISBN 9783100024305
Gebunden, 288 Seiten, 21,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Uda Strätling. Lila ist ein Findelkind, das von einer Landstreicherin und Überlebenskünstlerin aufgegriffen wird. Als ungleiche Geschwister ziehen sie durch Amerikas harte Jahre, als Dürre und Hunger das Leben zeichnen. Bis eines Tages Lila im Regen unerwartet ein Dach über dem Kopf findet. Und mehr als das - nach Jahren der Entbehrung wird sie mit der Sorge und Zartheit eines Mannes konfrontiert, der ihr Leben und alles, was sie bisher erfahren hat, auf den Kopf stellen wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.09.2015

Nun ist mit "Lila" immerhin schon mal der letzte Band der grandiosen Trilogie Marilynne Robinsons auf Deutsch erschienen, freut sich Rezensent Lothar Müller. Der Kritiker bewundert die Kunst der amerikanischen Autorin, die Sprache der Bibel und die Erfahrungswelt von Predigern und Kirchenbesuchern ganz ohne Predigtcharakter in eine moderne Romanform zu gießen und die Innenwelten der Protagonisten zu erkunden. Und so folgt Müller hier der stillen, vielschichtig skizzierten Lila, die in den Zeiten der Großen Depression von einer Wanderarbeiterin entführt wurde, sich als Hure verdingte und schließlich einen alten, warmherzigen Reverend heiratet. Was auf den ersten Blick wie Erbauungsliteratur klingt, entfaltet sich zu einem meisterhaften Roman, der mit modernen Erzähltechniken die verschiedenen Lebensstationen Lilas verknüpft, historische Hintergründe beleuchtet und in wunderbaren Landschaftsbildern von der Einsamkeit der Protagonistin erzählt, lobt der Rezensent. Auch mit der deutschen Übersetzung ist der Kritiker im Wesentlichen zufrieden.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 29.08.2015

Marilynne Robinsons neuer Roman "Lila" mutet sehr anachronistisch an, findet Carmen Eller. Die Geschichte ist konsequent aus der Perspektive eines amerikanischen Findelkindes erzählt, das während der Great Depression bei Wanderarbeitern unterkommt und sich später in einen älteren Prediger verliebt, fasst die Rezensentin zusammen. Die Liebesgeschichte bewegt sich knapp diesseits der Melodramatik, die Sprache erinnert ein wenig an Jane Eyre und an das neunzehnte Jahrhundert, es passiert erstaunlich wenig und das eigentliche Interesse gilt der Psychologie der Erzählerin, erklärt Eller. Ob diese interessant genug ist, um die Spannung das Buch über aufrecht zu erhalten, will die Rezensentin jedoch nicht beurteilen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.08.2015

Die amerikanische Autorin Marilynne Robinson kann wohl nicht anders, als Partei zu ergreifen, mutmaßt Rezensentin Sylvia Staude in ihrer Besprechung des Romans "Lila". Die gläubige Protestantin Robinson schreibe mit großer Ernsthaftigkeit, aber nicht belehrend, so fasst die Rezensentin die Meinung amerikanischer Kritiker zusammen. Das führt nach Staudes eigenem Dafürhalten zum Verzicht auf "postmoderne Ironie", zugleich aber zu einer "wundersam zarten Geschichte" über eine religiös geprägte Liebe in Zeiten der Depression des Mittleren Westens in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Die Figuren, von denen Staude einige bereits aus Robinsons Vorgängerromanen kennt, seien "in feinsten Nuancen gezeichnet", auch die wechselnden Erzählperspektiven gefallen der Rezensentin. "Lila" lobt sie als ein gänzlich kitschfreies Werk, das von der Übersetzerin Uda Strätling zudem auf gelungene Weise ins Deutsche übertragen worden sei.
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