Aus dem Katalanischen von Heike Nottebaum.Die Autorin zieht uns in eine Welt, die nur scheinbar eine vergangene ist: in die bedrückende Enge eines Dorfes und einer Familie, die unter der brutalen Willkür des Vaters fast zugrunde geht, in der aber vor allem die Frauen sich nicht zerbrechen lassen. Auch dann nicht, als der Vater beschließt, aus dem Dorf wegzugehen, sein Land zu verkaufen und mit seinem Sohn und dessen Frau nach Barcelona zu ziehen, um dort ein kleines Lebensmittelgeschäft zu betreiben. Der Sohn gehorcht, lässt sich vom Vater ausnehmen und wird zusehends apathisch; seine Frau aber zieht aus der Liebe zu ihrem Kind so eine Kraft, dass sie eine eigene Existenz und Freundschaften aufbaut. Die Gewalt ist aber latent immer da, sie lauert hinter jedem Konflikt - und sie kulminiert, als der Vater plötzlich in das Dorf zurückkehrt, sein Sohn ihm abermals folgt (dessen Frau und Kind aber nicht) und sich dort eine Spirale von Angst, Verdächtigungen und Drohungen entwickelt - bis sich diese Spannung entlädt und zum Schluss ein furchtbares Geheimnis preisgibt, das die ganze Zeit über der Familie und dem Dorf gelastet hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2012
Dass die katalanische Autorin Maria Barbal auf Deutsch zu entdecken ist, hält Anja Hirsch für einen großen Gewinn. Die Hirsch archaisch anmutende Welt der Bauern im katalanischen Bergland fängt die Autorin mit eigenwilliger Sprache ein, versichert die Rezensentin, und vermittelt die von Männerherrschaft, Schweigen, Tabus und Ritualen geprägte Gesellschaft in plastischen Psychogrammen, aber auch symbolisch. Dass bei aller Schwere und Tragik Platz für Komik bleibt, erstaunt Hirsch geradezu, ebenso, dass Barbal in den Figuren trotz all ihrer Prädestination dennoch Ambivalenzen aufspürt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.12.2011
Für Rezensentin Brigitte Kramer zeichnet sich die katalanische Autorin Maria Barbal vor allem dadurch aus, dass sie den kleinen Leuten eine Stimme gibt und kein Autoren-Ego dazwischenfunkt, wenn sich Romanfiguren und Leser näher kommen. In "Camfora" erzählt Barbal von einer jungen Frau, die in den Sechzigern mit Ehemann und Schwiegervater vom Land in die Stadt zieht, nach Barcelona. Die beiden Männer, die ein dunkles Geheimnis zu haben scheinen, gehen wieder zurück, so die Rezensentin. Die Frau jedoch bleibt und zieht ihr Kind allein groß. Und sie verändert sich, übernimmt den Geschmack der Kundinnen ihres Milchladens in Sachen Kleidung und Frisur. Auch hier scheint Barbal zu gelingen, was sie für Kramer auszeichnet: Das "Individuum in der Masse" herauszuheben.
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