Eduardo Mendoza

Mauricios Wahl

Roman
Cover: Mauricios Wahl
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518419250
Gebunden, 383 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Peter Schwaar. Da ist er irgendwie hineingerutscht: Mauricio, Zahnarzt und politisch nicht sonderlich interessiert, sieht sich unversehens in der Wahlkampagne der Sozialisten engagiert. Zugleich findet sich der erotisch eher unverbindliche Junggeselle plötzlich in Beziehungen mit gleich zwei Frauen wieder. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Die angehende Rechtsanwältin, eine großherzige, aber nicht ganz leicht zu handhabende Skeptikerin, bedeutet Mauricio die wohlvertraute bürgerliche Welt; die andere dagegen, "die Kifferin", fasziniert ihn mit ihrer etwas grellen Schönheit und ihrer Geradlinigkeit; sie macht ihn ratlos. Und beide Frauen liebt er. Oder etwa nicht?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.05.2008

Uwe Stolzmann kennt Eduardo Mendoza als bedeutenden spanischen Autor, den seine Fans für seine komischen Parodien, seine zwischen Lakonie und "barocker Pracht" wechselnde Sprache und seine hellsichtigen Bestandsaufnahmen der spanischen Gesellschaft bewundern. In seinem jüngsten Roman allerdings, in dessen Mittelpunkt der unentschlossen zwischen zwei Frauen stehende katalanische Zahnarzt und Biedermann Mauricio steht, fällt es dem Rezensenten schwer, die genannten Qualitäten zu finden. Weniger interessant als den Plot - Mauricio lässt sich überreden, für die sozialistische Partei zu kandidieren und verliert die Wahl, die Wahl zwischen zwei Frauen dagegen trifft er erst gar nicht - findet Stolzmann, wie Mendoza seinen Protagonisten, das Katalonien nach Francos Tod und Barcelona in den 1980er Jahren porträtiert. Dass er dies mit an Parteiprogramme gemahnende Trockenheit und in mitunter sehr "hölzerner" Weise tut, sich zudem auf einen ziemlich altmodischen auktorialen Erzähler verlässt, stört Stolzmann nachhaltig und so kann ihn auch die durchaus treffende Charakterisierung der spanischen Gesellschaft der 1980er Jahre nicht mehr recht begeistern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.02.2008

Enttäuscht zeigt sich Rezensent Jochen Schimmang von Eduardo Mendozas neuem Buch "Mauricios Wahl", das er neben "Die Stadt der Wunder", einem neu aufgelegten Roman desselben Autors, bespricht. Während ihn letzterer völlig begeistert hat, scheint ihm Mendozas neuer Roman um einen Zahnarzt zwischen zwei Frauen im Barcelona der 1980er Jahre vor allem öde und langweilig. Er hält dem Autor vor, lustlos und beliebig zu erzählen, was ihm gerade so zu den achtziger Jahren in Barcelona und in Spanien in den Sinn kommt. Zwar findet Schimmang die Figuren durchaus sympathisch, aber Mendoza erzählt nach seinem Empfinden so zäh, dass dies das Buch auch nicht mehr retten kann. Die Lustlosigkeit des Buchs hat seines Erachtens auf den eigentlich guten Übersetzer Peter Schwaar abgefärbt, dem immer wieder ungelenke und unbeholfene Formulierungen unterlaufen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007

Fast jeder deutsche Verlag hat zur Buchmesse einen "Quotenkatalanen" ins Programm gehievt, seufzt Maike Albath. Dass das plötzliche Interesse viel Mittelmäßiges nach oben gespült hat, daran lässt sie ebensowenig einen Zweifel wie daran, dass Eduardo Mendozas neuer Roman in diese Kategorie fällt. Spanien in den frühen achtziger Jahren: Ein Zahnarzt will in die Politik, beginnt ein Verhältnis mit einer jungen Frau und entschließt sich am Schluss für seine Gattin. "Warum man dafür 385 Seiten lesen muss, bleibt unklar", entfährt es der am Ende ihrer Rezension schon recht ungehaltenen Rezensentin. Mendozas vergangene Verdienste in allen Ehren, diesmal habe er außer einem "schläfrigen Realismus" nichts im Angebot, was die Lektüre lohnen würde. Nichts gefällt Albath, weder die kruden Dialoge noch die trockene Erzählstimme oder die steifen Beschreibungen. Arthritis, lautet die finale Diagnose Albaths, die sich immer heftiger nach Bewegung, Skandal, Dynamik sehnt. Nach "irgend etwas". Vergebens.
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