Deutschland hat sich lange dagegen gesträubt, ein Einwanderungsland zu sein, zum Teil tut es das bis heute. Dabei waren nicht-deutsche und nicht als deutsch wahrgenommene Migrant*innen in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert ständig präsent - von den "Wanderarbeitern" aus Polen und Italien im Kaiserreich über die "Gastarbeiter" in der alten Bundesrepublik bis zu den Schutzsuchenden aus aller Welt heute. Deutschland hat sich über viele Jahrzehnte zu einer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft gewandelt und muss sich mit dieser Realität auseinandersetzen. Die Historikerin Maria Alexopoulou erzählt diese vernachlässigte und von strukturellem Rassismus durchzogene Facette der deutschen Geschichte, indem sie die Perspektive derjenigen einnimmt, die längst dazugehören und dennoch immer wieder Ausgrenzung erfahren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.03.2021
Rezensent Robert Probst lobt diese Untersuchung, die ihre wissenschaftlichen Einsichten immer wieder verbindet mit Erfahrungen von Einwanderern auf lokaler Ebene verbindet. So gelingt ihr "souverän", wie der Kritiker betont, eine Kontinuitätsgeschichte deutschen Rassismus, die mit Zahlen und Fakten "gut belegt" werde. Dass die Autorin deutlich Partei ergreift und auf ihre Funde auch mit Wut reagiert, findet Probst verständlich und hebt positiv hervor, dass hier rechte Gesinnung und Rassismus in Deutschland klar aus der Einzeltäterannahme herausgelöst werden und stattdessen in der Gesellschaft verortet. Was dem von solch faktischer Wucht auch wohl erschütterten Kritiker hier fehlt, sind ein paar Differenzierungen und die seit Jahrzehnten auch zu beobachtenden Anpassungsleistungen von beiden Seiten.
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