In ihrem neuen Roman "O." greift Sabine Scholl auf Homers Odyssee zurück und liefert eine neue Version des alten Epos aus moderner weiblicher Sicht.Die Heldin des Romans, kurz O. genannt, ist Musikerin und Komponistin; gemeinsam mit ihren Gefährtinnen, einem Chor geflüchteter Frauen, bereist sie die Weltmeere.In unterschiedliche Gegenden verschlagen, treffen sie auf Bruchstücke und Metamorphosen des homerischen Epos, der griechischen Mythologie und der Realität der gegenwärtigen Welt - immer auf der Suche nach einem Ziel, einem Hafen, einer Hoffnung auf ein anderes, ein gutes Leben. Wo Einwanderungs- und Migrationsgegner eine Apokalypse sehen wollen, nimmt Sabine Scholl den Beginn von etwas Neuem wahr. Ihre Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Migration greift die gegebenen Realitäten auf und verbindet die Schicksale moderner Frauengestalten mit den Elementen einer jahrtausendealten europäischen Tradition.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.07.2020
Die Rezensentin Katrin Hillgruber erkennt diese Odyssee-Bearbeitung eindeutig als feministische littérature engagée: Odysseus wird zum geschlechtsneutralen O., die Frauenfiguren erscheinen durchgängig als gut, den männlichen Charakteren wird grundsätzlich misstraut, erzählt sie. Insgesamt hat die Autorin sich aber deutlich zu viel vorgenommen, moniert die Kritikerin, denn die Flüchtlingsproblematik und die Rettung der Umwelt findet sie nur ungelenk in den klassischen Plot integriert. Auch die Mischung aus antikisierender Sprache und zeitgenössischem Umgangsdeutsch konnte sie nicht überzeugen.
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