Steven Vertovec
Superdiversität
Migration und soziale Komplexität

Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518588154
Gebunden, 364 Seiten, 32,00 EUR
ISBN 9783518588154
Gebunden, 364 Seiten, 32,00 EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Alexandra Berlina. Superdiversität erforscht die zunehmenden Diversifizierungsprozesse und die hochkomplexen sozialen Konfigurationen, durch die frühere Formen der Vielfalt in unseren modernen Gesellschaften nochmals potenziert werden. Migration spielt bei diesen Prozessen eine Schlüsselrolle, wie der international führende Sozialwissenschaftler Steven Vertovec in diesem bahnbrechenden Buch zeigt. Sie bringt nicht nur Veränderungen in allen sozialen, kulturellen, religiösen und sprachlichen Bereichen mit sich, sondern auch in der Art und Weise, wie diese mit Faktoren wie Geschlecht, Alter und ökonomischem wie rechtlichem Status zusammenwirken.Im Mittelpunkt des von Vertovec entwickelten Konzepts der "Superdiversität" steht die Beziehung zwischen sozialer Kategorisierung und sozialer Organisation. Immer komplexere Kategorisierungen haben erhebliche Konsequenzen auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Sie erfordern eine Neubewertung sozialer Identitäten als mehrdimensional, wandelbar und durchlässig. Infolge des Klimawandels wird sich die Diversifizierung noch weiter verstärken, die Komplexität noch weiter erhöhen. Superdiversität liefert überzeugende Argumente für die Anerkennung dieser neuen Verhältnisse und fordert uns zum Umdenken auf.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.06.2025
Rezensent Michael Wolf lässt sich vom Soziologen Steven Vertovec gerne erklären, was es mit dem Begriff der Superdiversität auf sich hat: Sie bezeichnet das Phänomen, dass wir es mit zunehmend pluraler werdenden Gesellschaften zu tun haben, in denen nicht nur eine Rolle spielt, aus welchem Land und in welches Land jemand migriert, sondern auch Fragen nach Arbeitserfahrungen, Geschlecht, Alter, Schul- und Ausbildung. Das Buch sei zwar nicht ganz einfach zu lesen, gebe aber "profunde Einblicke" in Fragen nach den sozialen Prozessen, die Migrationserfahrungen beeinflussen. Vertovec macht sich Wolf zufolge zudem dafür stark, Identität als multifaktoriell zu verstehen, was wiederum erfordert, dass staatliche und öffentliche Maßnahmen sich auf diese neue Realität einstellen und wir alle uns den nötigen Lernprozessen öffnen - der Kritiker findet hier wertvolle Anregungen.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.07.2024
Rezensent Jens Balzer empfiehlt die Analysen des amerikanischen Sozialwissenschaftlers Steven Vertovec über Migration und soziale Komplexität nicht ohne Einschränkungen. Einerseits findet er Vertovecs These von der Superdiversität, die sogar den Begriff des Multikulturalismus hinter sich lässt, spannend und einleuchtend, weil sie das Fluide unseres Daseins erfasst, andererseits vermisst er im Buch eine Erklärung dafür, warum diese neue Diversität von manchen als Bedrohung und nicht als Befreiung erfahren wird. Für Balzer kann soziale Komplexität nur dialektisch begriffen werden. Das ansonsten lesenswerte Buch findet er insofern "leider unterkomplex".
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2024
Rezensent Gerald Wagner liest Steven Vertovecs Buch mit Interesse, findet die Grundthese des Autors letztendlich aber doch realitätsfern. Ein Drittel des Buches wird von einem älteren Aufsatz Vertovecs eingenommen, so Wagner, in dem dieser das titelgebende Konzept der "Superdiversität" erklärt, dass die überkommene Vorstellung von "Multikulturalismus" ablösen soll. Superdiversität bezeichnet, so Wagner, die "gegenseitige Beeinflussung vieler Ausprägungen der Diversität" - also eine "Diversifizierung von Diversität". Zwar erkennt Vertovec hier die eventuelle Gefahr, dass so viel Diversität zu Intoleranz in der Bevölkerung führen könnte, das ist Wagner aber zu wenig. Das Verständnis für die Vorteile komplexer Gesellschaften könne durch die individuelle Durchdringung der eigenen Komplexität geschaffen werden, so Vertovecs, wie Wagner findet, zu optimistische Idee. Der Rezensent ist davon nicht überzeugt: Heutige "Wohlfahrtsstaaten" funktionierten eben nur über Mehrheitsentscheidungen, die notwendigerweise Komplexität reduzieren.
Themengebiete
Kommentieren
