Margaret Atwood

Der blinde Mörder

Roman
Cover: Der blinde Mörder
Berlin Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783827000132
Gebunden, 691 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Brigitte Walitzek. Laura, die fünfzehnjährige Tochter aus wohlhabendem Hause, verfällt einem linken Agitator, der auch für ihre Schwester Iris das romantische Ideal eines Mannes darstellt. Als Laura von seinem Tod hört, begeht sie Selbstmord. Iris versucht rückblickend, sich über das Geschehen Klarheit zu verschaffen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2000

Michael Schmitt scheint es aufrichtig zu bedauern, dass er diesem Roman nur wenig abgewinnen kann. Zwar kann er die "verschachtelte Erzählkonstruktion" durchaus würdigen. Doch seiner Ansicht nach fügen sich die vielen Elemente nicht schlüssig in ein homogenes Ganzes. Sowohl in der Rahmenhandlung wie auch in dem Roman im Roman wird - wie er findet - "immer wieder nur die gleiche Geschichte erzählt", und die handelt von der Passivität und Unterwerfung von Frauen. Schmitt vermisst dabei Bewegung, ein Fortschreiten, und auch die Figuren selbst bleiben seiner Meinung nach viel zu blass. Auch als historischer Roman findet dieses Buch beim Rezensenten keine Gnade. Denn trotz eingefügter Zeitungsartikel fehlt ihm der "Blick über das Tafelgeschirr hinaus", etwa eine genauere Beschreibung gesellschaftlicher oder politischer Ereignisse. Darüber hinaus moniert Schmitt die Anhäufung von Einzelheiten, was den Blick auf das Wesentliche in seinen Augen verhindert. Und auch den Klischees über rücksichtslose, dominierende Männer kann er nichts abgewinnen. Letztlich reduziert sich der Roman "auf die penetrante Beichte einer unglaubwürdigen Figur", lautet sein ernüchterndes Resümee.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.11.2000

Mit einer Wunderschachtel vergleicht Kyra Stromberg den neuen - im übrigen, wie sie betont, vorzüglich übersetzten - Roman der Kanadierin Margaret Atwood. Eine Wunderschachtel ist eine Schachtel, die einen auf immer neue Schachteln stoßen lässt, beschreibt Stromberg das Verfahren, das sie am Ende feststellen lässt, dass die letzte Schachtel leer ist. Das Geheimnis liegt nicht in der letzten Schachtel verborgen, sondern entpuppt sich in allen Schachteln gleich viel oder wenig. Für Stromberg produziert diese Methode Spannung. Über drei Generationen hinweg entfaltet Atwood mosaikartig die Geschichte einer Bürgerfamilie in der kanadischen Provinz, wobei die dreißger Jahre und zwei Schwestern in den Vordergrund rücken, die sich beide in den gleichen Mann verlieben, einen engagierten Sozialisten. Ein präzises Zeit- und Sittenbild, konstatiert Stromberg, die über Atwood bewundernd schreibt: "Sie beobachtet nicht, sie nimmt wahr - das ist nicht das gleiche." Es gebe bei ihr keine Berührungsängste, meint Stromberg, und deswegen scheue die Autorin selbst vor der Kolportage nicht zurück - sie wisse alles in ihre ironisch distanzierte, packend dichte Sprache zu packen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000

Susanne Mayer ist nicht überzeugt von diesem Roman. Zwar gibt sie zu, dass die Handlung in ihrer Verschachtelung "virtuos inszeniert" ist. Auch lobt sie das "filigrane Gewebe", das die Autorin entworfen habe, ohne ihre Geschichte zu einem "Heuler" zu machen. Doch findet sie die Wandlung der Hauptfigur vom "Lamm", das sich in die "Erniedrigungen einer Provinzgesellschaft" gefügt hat, zu einer bitteren, wütenden Greisin, die auf geradezu teuflische Weise ihre Schwester vernichtet, absolut nicht überzeugend. Überhaupt vermisst die Rezensentin bei der Figurenzeichnung "Tiefe" und bedauert, dass man soviel über die "Garderobe" der Protagonisten und so wenig über ihr Innenleben erfährt.
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