William Boyd

Nat Tate

Cover: Nat Tate
Berlin Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783827009623
Gebunden, 96 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Chris Hirte. Mit zahlreichen Abbildungen. Keiner narrte die New Yorker Kunstwelt wie er. Keinem ist es gelungen, einem fiktiven Künstler posthum zu Ruhm und Verkäufen bei Sotheby's zu verhelfen. Mit Nat Tate hat William Boyd seinen Ruf als begnadeter Fälscher und Meister des doppelten Spiels begründet; nun erscheint die frei erfundene Biographie erstmals auf Deutsch.
Am 1. April 1998 laden David Bowie und William Boyd die interessierte New Yorker Kunstwelt ein: Nat Tate, ein in Vergessenheit geratener Expressionist, soll geehrt, ein Buch über Leben und Werk präsentiert werden. Die Szene folgt ihrem Ruf, Kritiker, Sammler, Galeristen, alle sind da und erinnern sich, jeder hat schon einmal von Tate gehört, ihn besser oder schlechter gekannt, seine Bilder gemocht oder abgelehnt. Und alle sitzen sie einem Schwindel auf. Was im Gewand einer tragischen Künstlerbiographie daherkommt - früher Tod der Mutter, Studium bei Hans Hofmann, erste Erfolge in den Fünfzigern, Erkennen der eigenen Mediokrität, Freitod mit einunddreißig -, ist in Wahrheit nichts weiter als eine Erfindung des gewieften Erzählers William Boyd. Fotos präsentiert er, Zeitzeugen, vermeintliche Bilder des Künstlers (die Boyd selbst gemalt hat), Begegnungen mit Picasso und Braque fingiert er. So überzeugend ist er, dass die Szene damals meinte, den Künstler Nat Tate völlig neu bewerten zu müssen. Dieses Buch ist ein wahres Fundstück, ein Spiel mit Sein und Schein, eine herrliche Gaunerei.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.02.2011

Rezensent Ulrich Sonnenschein räumt ein, dass er William Boyds Text über "Nat Tate" aus der bequemen Lage desjenigen besprechen kann, der weiß, dass es sich bei dieser Künstlerbiografie um ein Fake handelt. Das amerikanische Original wurde 1998 mit riesiger Bugwelle im Atelier von Jeff Koons vorgestellt, David Bowie trat auf, tout New York war da und erinnerte sich auch einmal an diesen Ausnahmenkünstler. Sonnenschein sieht in dem Buch mehr als nur einen Streich, mit dem Boyd die Kunstwelt vorführte, er lernt darin einiges über die Fragen der künstlerischen identität und über Stilisierungen, die meist am erfolgreichsten sind, wenn sie dem Motto folgen: Je extremer der Mensch, desto authentischer der extreme Ausdruck.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.01.2011

Rezensent Ingo Arend ist sehr eingenommen von William Boyds Buch "Nat Tate". Er würdigt das Werk als "absolut glaubwürdige" Biografie des freilich erfundenen Künstlers Nat Tate. Auch wenn die Idee, einen Künstler zu erfinden, um die Kunstwelt zu narren, nicht völlig neu ist, schätzt er Boyds Buch als höchst gelungene Umsetzung dieser Idee. Zu Gute kommt dem Autor, dass er lange als Kunstkritiker gearbeitet hat. Arend bescheinigt ihm, Realität und Fiktion, Fakten und Unsinn literarisch glänzend zu mischen und höchst raffiniert ein Netz von Personen, Verweisen und falschen Belegen zu knüpfen. So umgibt er seinen abstrakten Expresssionisten Nat Tate, der sich 1960 das Leben nimmt, mit zahlreichen wiedererkennbaren historischen Figuren wie den Dichter Frank O'Hara, den Maler Hans Hofmann sowie gekonnt erfundenen Figuren. Trotz vieler Seitenhiebe auf den Kunstbetrieb sieht Arend in dem Buch keine "billige Schmähung der Kunstwelt". Sein Fazit: ein Werk, das man genießt wie eine "köstliche Praline".
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