Mit den Ergänzungen von 1797 und 1798, Einleitung, Werkverzeichnis und Anmerkungen von der Herausgeberin Bettina Stangneth. Mit seinem "Versuch über den Schwindel" sucht Marcus Herz nicht weniger als die Grundlage für eine wissenschaftliche Beschreibung des wechselseitigen Verhältnisses von Geist und Körper. Der Ansatz ist ebenso originell wie modern: Wer mehr über die Grenzen der Sinnlichkeit und der Vernunft wissen will, kann auch dorthin schauen, wo uns das Denken schwindeln macht. Nicht allein die Dialektik der Vernunft, auch die Krankheit ist ein Prüfstein jeder Erkenntnistheorie. Nur wer ein psychologisch-neurophysiologisches Phänomen wie den Schwindel beschreiben kann, hat auch klare Begriffe des menschlichen Geistes. Kant nannte seinen Freund genau darum respektvoll einen "Experimentalphilosophen".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2019
Michael Hagner hält die Neuauflage des Buches von Marcus Herz aus dem Jahr 1786 für eine schöne Geste. Zusammen mit der "einfühlsamen" Einführung in Leben und Zeit des Autors durch Herausgeberin Bettina Stangneth bietet der Band Hagner die Chance, Herz' dereinst schnell überholte Theorie des Schwindels als seelisches Phänomen als "faszinierendes Dokument einer Übergangszeit" zu den modernen Humanwissenschaften kennenzulernen. Herz' "kühne", auf Krankenbeobachtungen gestützte Theorie hätte die Herausgeberin laut Hagner zwecks besserer Orientierung gerne in der Anthropologie der Spätaufklärung verorten dürfen.
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