Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock. Die Qualen des unförmigen Riesen Polza Mancini und jene seiner Opfer werden am Ende der Reise nebeneinandergestellt: Jahre nach Mancinis Verhör lässt Manu Larcenet die beiden Polizisten einem Fernsehteam von ihren Ermittlungen berichten - und stellt damit die Eindrücke und Erwartungen des Lesers auf den Kopf. Wie ein Puzzlespiel fügen sich die einzelnen Teile der Erzählung zu einem einheitlichen Ganzen und lassen Polza Mancinis abgründige Seele erahnen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.07.2015
Als ein "Meisterstück der modernen Melancholie" rühmt Fritz Göttler die "Blast"-Reihe des französischen Comiczeichners Manu Larcenet, die mit dem vierten Band "Hoffentlich irren sich die Buddhisten" an ihr logisches Ende kommt. Larcenet erzählt darin die Geschichte des fetten Serienmörders Polza Mancini, und Göttler beschreibt ihn als "sanft und lächerlich", dabei vibriere die Erzählung von innerer Aggression. Der Rezensent erkennt hier die Spuren einer Jugend, die in der Banlieue, im Punk und in der militanten Linken geprägt wurde. Doch die Bilder, versichert er auch, seien so filigran, "dass man in sie hineinlauschen" kann. Wie bei Hokusai.
Timur Vermes staunt nicht schlecht, was im Comic alles möglich ist, bei Manu Larcenet jedenfalls, in seiner Graphic Novel "Blast" über einen mysteriösen Fettwanst, der es mit der Polizei und mit seinen Leidenschaften zu tun kriegt, wie Vermes erklärt. Der vierte und letzte Teil des Projekts verdeutlicht dem Rezensenten noch einmal, wie radikal der Autor mit allen Konventionen bricht, indem er etwa Tusche, Aquarell und Kohle einsetzt, düstere, schwere Bilder sendet, vor Gewalt und Ekelhaftem nicht zurückschreckt. Die Abgründe, die sich auftun, sind umso verstörender für Vermes, als Larcenet immer wieder auch zu hemmungsloser Schönheit fähig ist. Wenn er Tiere zeichnet etwa. Wie er den Leser so gut an die Figur zu binden vermag, ist für Vermes ebenfalls ein schönes Rätsel. Besser als Fernsehen, meint er.
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