Mit einem Vorwort von Nikolaus Katzer. Womit identifizierten sich Bürger der Sowjetunion? Wie grenzten sie sich voneinander ab? Destabilisierten Massenaufläufe die sowjetische Ordnung? Wie entstanden informelle Gruppierungen in einer Gesellschaft uniformer Konformität? Welchen Einfluss nahmen neue Medien und mediale Vernetzung auf die Entwicklung der multinationalen sowjetischen Gesellschaft? Was blieb, als nach dem Zusammenbruch der sowjetische Rahmen fiel? Manfred Zeller schreibt am Beispiel der Fans sowjetischer Fußballmannschaften aus Moskau (Spartak, Dynamo, ZSKA) und Kiew (Dynamo) eine Geschichte von Gemeinschaft und Gegnerschaft im poststalinistischen Vielvölkerreich. Er untersucht, zu welchen Gruppen sich sowjetische Bürger zusammenschlossen und gegen wen sie sich wandten. Seine Monografie handelt von komplexen Loyalitäten in der multinationalen Sowjetunion - und von der Hassliebe zwischen Kiew und Moskau. "Moskau gegen Kiew" war zu sowjetischer Zeit noch keine Frage von Krieg und Frieden, jedoch war es im Fußball damals schon eine Frage von Sieg und Niederlage sowie eines Gefühls von "Wir gegen die" im komplexen multinationalen Setting der Region.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.09.2015
Thomas Urban zeigt sich begeistert davon, wie die Recherchearbeit des Osteuropaforschers Manfred Zeller in Sowjetarchiven nicht nur die Fankultur in der UdSSR beleuchtet, sondern auch dem heutigen Ukrainekonflikt analytisch näherkommt. Auch wenn der Autor Dinamo, Spartak und Torpedo sowie den Rivalen Dinamo Kiew ins Zentrum seiner Untersuchung stellt und die Unterschiede zwischen offiziellem Bild und den gewaltgeprägten Tatsachen am Spielfeldrand deutlich macht, verweisen die episodisch entlang der Geschichte der Sowjetunion entwickelten Gegensätze zwischen den Völkern den Rezensenten dauernd auf die gegenwärtige politische Lage. Der lebendige, anekdotenreiche Stil des Buches sowie die innen- und nationalitätenpolitischen Kenntnisse des Autors haben den Rezensenten beeindruckt.
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