Russland will wieder Global Player werden. Das militärische Vorgehen in Syrien an der Seite von Diktator Assad und die Unterstützung des aufständischen Generals Haftar in Libyen haben dies der Welt vor Augen geführt. Was zunächst im nahen Umfeld stattfand - von Georgien über die Krim bis zur Ostukraine -, geschieht inzwischen auch in Afrika und Lateinamerika. Russland rüstet seine Verbündeten auf, exportiert Waffen und schickt (angeblich nichtstaatliche) Militärverbände in den Einsatz. Präsident Putin will sein Land zu alter Weltmachtstärke zurückführen. Manfred Quiring, der mehr als zwei Jahrzehnte als Korrespondent in Moskau gearbeitet hat und die Machtverhältnisse im Land so gut wie kaum ein anderer kennt, zeichnet diese Entwicklung minutiös nach, benennt die Verantwortlichen, schildert ihre Methoden, zeigt die Gefährdungen der internationalen Politik und die Grenzen des Moskauer Einflusses auf.
Barbara Oertel hält Manfred Quiring für einen echten Russland- und Putin-Versteher. Allerdings bekommt sie vom Autor nicht das übliche Narrativ des bösen Westens vorgesetzt, sondern erhält einen Einblick in die Kleptokratie, russische Befindlichkeiten und die Außenpolitik des Kremls. Oertel erkennt: Oberstes Ziel ist die Wiederherstellung der Großmacht. Die vom Autor "ausführlich" befragten kremlnahen Beobachter lassen sie außerdem erahnen, dass unter Putin der Schein das Sein dominiert. Dass Quiring keine "längliche" Politikberatung betreibt wie andere Russland-Autoren, gefällt ihr gut.
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