Die Ende Februar 2014 beginnende sog. Krim-Krise endete mit der Annexion der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Halbinsel durch die Russländische Föderation. Dieses Ereignis machte nicht zuletzt der deutschsprachigen Öffentlichkeit deutlich, dass die Halbinsel Krim mehr oder weniger immer noch eine terra incognita für sie ist, über deren Vergangenheit selbst historisch Interessierte nur wenig wissen. Mit großem Erstaunen wird seitdem u.a. gefragt, warum die Krim für Russland eine so große Bedeutung hat, dass sie bereit ist, die Ächtung der Weltgemeinschaft und wirtschaftliche Sanktionen auf sich zunehmen. Tatsächlich ist die 1783 annektierte Krim für die überwiegende Zahl der Russen ein hoch emotionalisierter, unveräußerlicher Teil Russlands. Deren Geschichte ist aber sehr viel älter - und über die längste Zeit spielten Russen dort keine Rolle. Griechische Kolonisten, eurasische Reitervölker, Krimtataren und andere gestalteten vielmehr ihr Schicksal.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2020
Rezensent Ulrich Schmid lernt, dass die Frage, ob die Krim nun ukrainisch oder russisch ist, eigentlich falsch gestellt ist, beim Lesen von Kerstin S. Jobsts Buch. Die Osteuropahistorikerin weist laut Schmid in 37 Kapiteln nach, wie wechselvoll die Geschichte der Krim tatsächlich war, wie die Halbinsel schon früh verschiedene Volksgruppen anzog, wie die Skythen oder die Kimmerier. Neben der "bewegten" Siedlungsgeschichte skizziert ihm die Autorin die Rivalitäten von Kolonialmächten wie Venedig und Genua in der Region, erzählt von Türkenkriegen und Sprachvarianten. Genau recherchiert, übersichtlich gegliedert lässt das Buch Schmid ahnen: Einen Masterplan für die Krim gibt es nicht.
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