Mit kleinen präzisen Eingriffen kann man die Strukturen einer Firma, den Erfolg einer Marke die Verbrechensrate in einer Großstadt das Verhalten der Menschen verändern. Das ist die Botschaft des Tipping Point, eines Buches, das viele unserer konventionellen Annahmen über das Verhalten von Menschen auf den Kopf stellt. In einer Reihe von Fallstudien stellt Malcolm Gladwell die Wirkungsweise des "Tipping Point" dar. Der "Tipping Point" ist jener magische Moment, wenn eine Idee, ein Trend, eine Mode oder ein soziales Verhalten eine Schwelle überschreitet, kippt und sich dann wie ein Flächenbrand ausbreitet. Wie kommt es dazu? Interessanter noch: Wie löst man diesen "Tipping Point" aus? Das ist eine Frage, die nicht nur Werbefachleute und Designer interessiert, sondern auch Politiker und Polizisten. Gladwell bezieht sich in seiner Argumentation auf die Epidemiologie: Ideen und Verhaltensweisen, sogar das Verbrechen, breiten sich so aus wie Ansteckungskrankheiten, und man kann sie auch auf analoge Art bekämpfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2001
Naja, hier redet sich ein Rezensent aber schön heraus. Die Kritik von Ernst Horst gleicht einem "Gemischtwarenladen", der vieles anbietet, aber nichts konkretisiert. Genau das unterstellt Horst dem Buch "Tipping Point". Gladwells Sammlung von Fallstudien über unerhörte, sich einer Linearität entziehende Begebenheiten, sei eben eine Aneinanderreihung überraschender Ereignisse. Mehr nicht. Außerdem stört den Rezensenten der englische Titel der deutschen Ausgabe. Ihm wären mindestens fünf passende deutsche Titel eingefallen, verkündet er, hält sich mit deren Nennung aber genauso zurück wie mit einer einigermaßen fundierten Kritik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.08.2000
Gerald Sammet beschränkt sich in seiner Rezension weitgehend darauf, die Thesen des Autors zu referieren. Der `tipping point`, erklärt er, sei der Punkt, wo ein isoliertes Phänomen in einen Trend umschlägt, als Beispiel nenne Gladwell die Broken-Window-Theorie, wonach kleine Zeichen von Verwahrlosung - etwa zerbrochene Fensterscheiben, die nie repariert werden - zu einem epidemischen Anstieg der Kriminalität in einem Viertel führen. Sammet scheint diese Thesen recht überzeugend zu finden, jedenfalls empfiehlt er das Buch am Ende seiner Rezension unvermittelt als "Hausbuch gegen jede Art von Ratgeberliteratur".
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