Bliss Broyard

Ein Tropfen

Das verborgene Leben meines Vaters
Cover: Ein Tropfen
Berlin Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783827000880
Gebunden, 624 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Barbara Schaden. Im New Orleans der zwanziger Jahre geboren, wächst Anatole in einer Familie kreolischer Abstammung auf. Die Familie gilt als schwarz. Nach dem Umzug von New Orleans nach New York wechselt er Ende der dreißiger Jahre als junger Mann seine Identität - die Hautfarbe ist "hell genug" dafür - und beginnt eine Laufbahn als weißer Schriftsteller im Künstlerviertel Greenwich Village. Seine Frau weiß von seiner Herkunft, seine beiden Kindern Bliss und Todd ahnen nichts. Sie wachsen wohlbehütet im vornehmen Connecticut auf, besuchen teure Schulen.. Bis zu seinem Tod im Jahr 1990 bringt es Anatole Broyard nicht über sich, seinen Kindern die Wahrheit zu erzählen. Als Bliss schließlich das Geheimnis von ihrer Mutter erfährt, ist plötzlich alles anders: Nicht nur die Persönlichkeit ihres Vaters steht mit einem Mal in einem völlig neuen Licht da, sondern auch das eigene Selbstbild ist in Frage gestellt. Eine Identitätssuche beginnt. Bliss Broyard begibt sich auf die Spuren ihres Vaters.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2009

Hubert Spiegel stellt fest: Dieses Buch führt zu einer bitteren Erkenntnis. Angetreten, den von ihrem Vater erzwungenen Bruch mit der kreolischen Herkunft und der eigenen Familiengeschichte rückgängig zu machen, scheitert Bliss Broyard angesichts einer Tradition, deren Teil der Bruch längst geworden ist, erklärt der Rezensent abschließend. Zuvor hat Spiegel, hoffnungsvoll angetreten wie die Autorin selbst angesichts des "grandiosen" literarischen Stoffes, den die Geschichte des Vaters, Anatole Broyard, hergibt, einiges mitgemacht. Die Mischform aus literarischem Exkurs, erzählendem Sachbuch und selbsttherapeutischem Rechenschaftsbericht von Broyards Ahnenforschung bietet dem Rezensenten zwar kundige Einsichten in die Melange im New Orleans des 19. Jahrhunderts und die Emanzipationsbestrebungen der Nicht-Weißen in Louisiana. Der allzu akribische Bericht über die genealogische Rekonstruktion in Archiven oder auf Familienfesten sorgt jedoch dafür, dass Interesse und Mitgefühl des Rezensenten bald erlahmen und sich Verdruss einstellt - noch bevor die Einsicht da ist, dass der Selbstverortungsversuch der Autorin scheitert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2009

In "Ein Tropfen" hält Bliss Broyard die Geschichte ihrer Familie und insbesondere die ihres Vaters Anatole Broyard fest, die er selbst zeitlebens geheim zu halten suchte, erklärt Willi Winkler. Im rassistischen Amerika verleugnete der berühmte Literaturkritiker der New York Times seine kreolisch-indianischen Wurzeln, um mit seiner hellen Hautfarbe als Weißer durchzugehen und trieb die Selbstentfremdung so weit, dass er dabei selbst zum Rassisten wurde, der schwarze Kinder vor seinem Haus vertrieb und sich mit "Negerhassern" anfreundete, erfahren wir. Der Rezensent hat das Buch zwar mit Interesse und Betroffenheit gelesen, findet allerdings die Akribie, mit der die Tochter bei ihrer Recherche sämtliche Einzelheiten festhält und ihr Augenmerk auf so banale Fragen legt, welches Kleid sie zu welchem Fest anziehen sollte, offenbar etwas anstrengend und befremdlich.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.01.2009

Berührt zeigt sich Sylvia Staude von Bliss Broyards Buch über ihren Vater Anatole Broyard, der seine schwarze Herkunft verschwiegen hat, um seine Rolle als einer der bedeutendsten Literaturkritiker der USA nicht zu gefährden. Sie berichtet, dass die Autorin, die erst nach dem Tod Anatoles von ihren schwarzen Wurzeln erfahren hat, Verwandte aufgesucht hat, zu denen ihr Vater den Kontakt abgebrochen hatte, weil sie als farbig erkennbar waren. "Ein Tropfen" erzählt für Staude aber nicht nur die Geschichte von Bliss' Vater sowie ihre weit zurückreichende Familiengeschichte, sie sieht darin auch ein teilweise "herzzerreißend introspektives" Buch und den leidenschaftlichen Versuch Broyards, in die Seele ihres Vaters zu blicken.
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