Luchterhand Literaturverlag, München 2026
ISBN
9783630877914 Gebunden, 288 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Klaus Berr und Cornelius Reiber. Sonny verdient sich seinen Lebensunterhalt auf einem Walfangschiff im Südatlantik. Der Alltag auf dem Ozean ist rau, er lehrt ihn die Zerbrechlichkeit des Daseins. Als er schließlich in seine Heimat zurückkehrt, auf die Shetlandinseln, um sich mit seiner Frau Kathleen und seinem Sohn Jack eine Existenz aufzubauen, liegt das schwere Erbe seiner Zeit auf See wie ein Schatten über der Familie. Viele Jahrzehnte später lebt Jack nach dem tragischen Tod seiner Eltern ein zurückgezogenes Leben im alten Cottage der Familie. Jack ist wie die karge Landschaft um ihn herum: stoisch und schweigsam, immer schon da. All seine Gefühle wandern in die Country-Songs, die er selbst schreibt und die er in einem anderen Leben auf der Bühne gesungen hätte. Bis eines Tages eine geheimnisvolle Schachtel vor seiner Tür liegt und eine Freundschaft mit der jungen Nachbarstochter beginnt, die Jack eine neue Perspektive auf seinen Platz in der Welt eröffnet.
Rezensent Wolfgang Schneider erlauscht sich die akustische Dimension in Malachy Tallacks Roman über einen musikalischen Bartleby, der sich in einem Haus auf den Shetlands vor der Welt in Sicherheit gebracht hat. Diesem Totalverweigerer folgt Schneider gern auf seinen Wegen, die auch in die tragische Kindheit des Helden führen, wie Schneider erklärt. Die einzige Passion des Protagonisten wird von Tallack gekonnt und mit abgedruckten Songtexten und Hörproben im Internet in Szene gesetzt, staunt Schneider. Dass gegen Ende eine Katze und ein junges Mädchen dem Einsiedler Gesellschaft leisten, lässt Schneider eine gefühlige Wendung zum "Taschentuchkino" befürchten. Die aber bleibt aus, stellt der Rezensent erleichtert fest.
Malachy Tallack ist auf den Shetlandinseln aufgewachsen, weiß Rezensent Volker Weidermann, das merkt er auch dem Roman des Autors und Songwriters an: Sein Protagonist Jack hat die Eltern bei einem Bootsunglück verloren, an dem ein riesiger Wal beteiligt war. Tallacks Roman erzählt von der "majestätischen Gleichgültigkeit" der rauen Natur, von Jacks Melancholie, der Sänger werden will, aber dessen Songs niemanden interessieren, schildert Weidermann, der sich in diesem Buch "schön verlieren" kann. Die Kapitel erzählen abwechselnd vom Leben der Eltern und von dem, was bei Jack alles nicht läuft - die Waljagd, die beängstigende Stille der Natur, unerfüllte Liebe. Die Songs, die thematisiert werden, sind außerhalb der Fiktion übrigens von Tallack selbst und können bei Streamingdiensten gehört werden, fügt der Kritiker noch an.
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