Klappentext
Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs. Es war einmal, in nicht allzu weiter Zukunft: Zwei Geschwister, Bri und Rose, müssen sich von ihrer Mutter trennen, weil diese in einer weit entfernten Stadt Arbeit findet. Als die beiden nach Hause kommen, entdecken sie eine Linie aus noch nasser roter Farbe, die ihr Grundstück umgibt. Was hat das zu bedeuten, in diesem Land, das seine Einwohner mithilfe von Technologie streng kontrolliert und völlig entmenschlicht? Bri und Rose jedenfalls vermuten nichts Gutes und verstecken sich in einem leer stehenden Haus am anderen Ende der Stadt. Dort treffen sie bald auf eine Gruppe von Widerständlern, auf ein Pferd namens Gliff, und auf eine neue Form des Überlebens.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2026
Rezensentin Elena Witzeck hat sich gefragt, ob wir heute noch etwas bei der Lektüre einer Dystopie lernen können - der neue Roman von Ali Smith beweist ihr ganz klar, dass das möglich ist. "Spannungsmaschinen am Laufen halten" ist ein großes Talent der Schottin, auch in dieser Geschichte um die beiden Kinder Brie und Rose, die von ihren Eltern zurückgelassen wurden. Wir befinden uns in einer Welt, die Familien in "zertifizierbar" und "unzertifizierbar" eingeteilt werden und Zwangsarbeit in einem totalitären Regime leisten müssen, lesen wir. Die Kinder können sich jedoch dem System entziehen und dem Untergrund anschließen - dort ist, wie Witzeck schildert, das untereinander geteilte kulturelle Wissen überlebenswichtig, zum Beispiel Marianne Faithfull-Songs oder Geschichten, die man sich zum Durchhalten erzählt. Die Zeitsprünge kennt sie schon aus anderen Büchern von Smith, es wird im Laufe des Romans immer düsterer, aber am Ende steht für die Kritikerin die Erkenntnis, dass Widerstand sich noch immer in Büchern finden lässt.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.05.2026
Rezensentin Nora Karches findet den neuen Roman von Ali Smith nicht überzeugend: Als "Data Dystopia" spielt das Buch in der nahen Zukunft, erzählt aus der Perspektive von zwei Kindern erzählt es von Indoktrination und digitaler Überwachung, erklärt Karches. Als Vergleich kommt der Rezensentin Huxleys "Brave New World" in den Sinn, doch die Dringlichkeit des Vorbilds erreicht Smith nicht, findet Karches. Das liegt für Karches an der fragwürdigen Ausgestaltung der Perspektive. Die Kinder haben einen viel zu hohen Wissensstand und sprechen wie Erwachsene, findet sie. Für einen überzeugenden politischen Kommentar erscheinen Karches der Appell-Charakter des Textes auch zu durchsichtig und die Folgerungen für unsere Gegenwart zu unklar.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.04.2026
Das "Ausmaß des Dystopischen" wird im neuen Roman von Ali Smith erst nach und nach enthüllt, verrät Rezensentin Judith von Sternburg. Vieles bleibt hier "unscharf", das ist aber nicht negativ gemeint, vielmehr haben es die Figuren, unter anderem die junge Ich-Erzählerin Bri, mit einer diffusen Bedrohung in einer zukünftigen Welt zu tun. Unliebsame Menschen werden hier per roter Farbmarkierung ausgeschlossen, verantwortlich dafür ist ein Unternehmen namens "Superbe Grenzen". Ein paar Jahre später "sieht es noch übler aus", lässt uns Sternburg wissen, als die Freunde Bri, Rose und Leif im Camper unterwegs sind, der unversehens auch von der roten Linie umkreist wird. Zu viel will uns die Rezensentin nicht über die Handlung verraten, es spielt aber noch ein Pferd eine Rolle, das, titelgebend, "Gliff" heißt, wie wir lesen, und dann wird Bri von den Männern eines bösen "Konzerns" entführt. Smith' innovative Sprache übersetzt Stefanie Jacobs "konsequent und entspannt", lobt Sternburg, die sich an lang nicht gehörten Worten wie "Alter Schwede" erfreut. Ein bisschen rätselhaft das Ganze, aber die Kritikerin scheint überzeugt.
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